Panda BearPanda Bear Meets The Grim Reaper
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Label:
Domino
VÖ:
08.01.2015
Referenzen:
The Beach Boys, Deerhunter, Dan Deacon, Black Dice, Yeasayer, The Flaming Lips
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Autor: |
| Felix Lammert-Siepmann |
Animal Collective, allen voran Panda Bear und Avey Tare, sind überall. Es vergeht kein Jahr, in dem die Truppe nicht von sich reden macht, darüber hinaus sind sie inzwischen gleichsam zu einer eigenen Marke geworden, an der sich viele andere zwangsläufig messen lassen müssen. Dass diese (Über-)Präsenz keine Abnutzungserscheinungen hervorruft oder die Musikwelt sonst irgendwie nervt, liegt neben dem Offensichtlichen – ein enttäuschendes Album ist immer noch nicht in Sicht – auch an der Bescheidenheit und Unaufgeregtheit, die jeder einzelne nach Außen trägt.
Nun ist also wieder Noah Lennox alias Panda Bear an der Reihe und setzt mit dem Eröffnungsstück „Sequential Circuits“ durchaus eine Überraschung. Kirchenorgel und sakraler Gesang sorgen für eine extrem unheimliche, da untypische Stimmung und lassen vorerst alle Erwartungen wie ein Kartenhaus einstürzen. Der „Grim Reaper“, der Sensenmann, ist beschworen und der weitere Weg eigentlich vorgezeichnet – eigentlich. Denn ganz im Gegensatz zu hier und dem Titelstück wandelt Lennox wie in der Vergangenheit auch auf seinem fünften Solowerk größtenteils über lichtdurchflutete Pfade, deren lyrische Ebene schnell zur Nebensache wird. Schon aus der folgenden Vorabsingle „Mr Noah“ bricht die Euphorie ungezügelt hinaus: Fröhlich hallender Gesang, übersprudelnde Instrumentierung und nicht zuletzt traumwandlerisches Gespür für Melodien ziehen sich ab hier durch „Panda Bear Meets The Grim Reaper“, schlagartig erstrahlt das Album in allen Farben des Regenbogens. Die unumstößliche Vertrautheit, die niemals repetitiv ist und der man sich nur schwer entziehen kann, ist allgegenwärtig. Nicht erst seit gestern ist Lennox ein Meister im Errichten dieser Struktur.
Vieles kommt damit dem einfachen, aber zutiefst erfüllenden Leben nahe, das er vor sechs Jahren auch schon in „My Girls“ so großartig prägnant beschrieb. Überhaupt kommt dieses Album Animal Collectives „Merriweather Post Pavilion“ in vielerlei Hinsicht so nah wie keine andere Veröffentlichung der Clique um Lennox und Dave Portner seither. Bis ins letzte Detail ausgetüftelt und für diesen Mikrokosmos nahezu makellos produziert, behält es dennoch zu jedem Augenblick sein warmherziges, pittoreskes Eigenleben bei. Auch bei Ansätzen mit vordergründig dunklerem Anstrich wie „Boys Latin“ und „Tropic Of Cancer“ schimmert diese Haltung immer noch mehr als deutlich durch. Dennoch haben sie ihren Anteil daran, dass „Panda Bear Meets The Grim Reaper“ etwas getragener erscheint als seine Vorgänger.
„Erwachsener“ jedoch wäre dafür der falsche Ausdruck; Noah Lennox hat sich seine spielerische, kindliche Leichtigkeit nach wie vor erhalten. Er saugt alles auf, was nicht niet- und nagelfest ist, mischt seine berühmten Loops kräftig mit HipHop- und Elektroanleihen und kleidet das Ergebnis in den einzigartig blubbernden Dubanzug. „Panda Bear Meets The Grim Reaper“ macht auf allerhöchstem Niveau dort weiter, wo seine Vorgänger aufgehört haben. Dass Lennox nach 15 Jahren noch mitreißend wie am ersten Tag und gewichtig wie selten zuvor klingt, ist daher fast überflüssig zu erwähnen.


