AtriarchAn Unending Pathway
Ich mache keinen Hehl daraus: In meiner Jugend gab’s nur Hard Rock, AC/DC, die NSOBHM oder Punk, Post-Punk und Hardcore. Matte und Kutte oder Iro und zerschlissene Lederjoppe, also Party und Bier oder Party und Heroin – zwar gab es schon Schnittmengen, aber an eine postmoderne Informiertheit wie heute, auf Seiten der Musiker als auch der Hörer, war freilich noch nicht zu denken. Folglich musste man sich für eine Seite und ihre an den Rändern durchaus irrlichternde Derivate entscheiden und so will ich das Staunen und die Begeisterung nicht leugnen, die mich packten, als die ersten Passagen von Atriarchs drittem Album aus dem Lautsprecher erklangen. Die Portlander haben schon eine erstaunliche Karriere hinter sich – das Debüt erschien noch beim Heimatlabel Seventh Rule Recordings, der kanadische Edel-Indie Profound Lore entließ den Nachfolger in die Welt und mit „An Unending Pathway“ gehen sie den Schritt zum Metal-Giganten Relapse -, aber meine Begeisterung rührte vielmehr von Lenny Smiths Gesang her und dem Spiel von Brooks Blackhawk, Maxamillion Avalon und Nick Phit, die meine Rezeptoren sofort wohlige Erinnerungen durch den Körper schießen ließen. Besonders der Gesang, der spielerisch zwischen dem blasphemischen Rotz eines Rozz Williams, der Theatralik Peter Murphys und der arroganten Nöligkeit Andi Sex Gangs changiert, rief mir sofort Death Rock in Erinnerung (ein Genre, das auf der Coolness-Skala der letzten Jahre, ach was, Jahrzehnte eher im kollektiven Souterrain angesiedelt war) und ich war nicht einmal peinlich berührt. Weitere Hördurchgänge verstärkten den Ersteindruck, präzisierten ihn aber auch, denn Atriarch spielen keinen Pastiche. Sie weiden an den Rändern, wo es schon immer am spannendsten war – auch heute noch.




Danke für die gelungene Rezension, die mich auf diese großartige Platte aufmerksam gemacht hat. Klingt wie Rozz Williams, der plötzlich bei Neurosis eingestiegen ist…