Eigentlich müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn sich die Kanadierin Lydia Ainsworth nicht binnen kürzester Zeit in alle verfügbaren Herzen singen würde. Ihr verführerischer Sphärenpop pendelt an der Grenze der Tag- und Nachtgleiche und lässt doch nur so viel Licht wie unbedingt nötig in ihr Debütalbum dringen.

Dabei funkeln die acht Stücke auf „Right From Real“ wie Diamanten, die allerdings doch den einen oder anderen Einschluß innewohnen haben. Sie heißen „Malachite“, Moonstone“ oder auch „White Shadows“ und bilden die damit verbundene geheimnisvolle Stimmung auch fulminant ab. Jetzt hat diese diffuse Schummrigkeit durchaus Konjunktur: Neben Angel Olsen, Lia Ices und zuletzt My Brightest Diamond taucht auch Ainsworth ihren Popentwurf ins Mondlicht und überzieht die ohnehin schon kunstfertigen Stücke mit einer glänzenden Firnis, die von Zeit zu Zeit durchaus auch ins Ätherische driften kann.

Unterbaut werden die Stücke dabei von einem Popgerüst, das für eine sanfte, ja beinahe zärtliche Grundstimmung sorgt. Trotz allem wohnt den Songs aber zumindest in Ansätzen eine Struktur inne, die Beats sind präzise, nicht grundlegend verschwommen und lassen sich auch in klaren Mustern fassen. Doch darüber hinaus erzielt Ainsworth eine unnahbare, gotische Anmutung, die von polyphoner Chorbegleitung bis hin zu surrealen Klangclustern reicht. So unterstützt eine Art mystischer Indianergesang das beschwörende „Hologram“, ohne dabei aber in esoterische Beliebigkeit abzudriften und das folgende „PSI“ lässt undeutliche Stimmen im Hintergrund murmeln, verwischt aber nicht dessen Popcharakter.

Es ist dabei erstaunlich, wie vertraut einzelne Passagen auf „Right From Real“ das Ohr erreichen. Gerade im abschließenden „The Truth“ mit seinem stampfenden Aufbruchsrhythmus klingt Enya zu Zeiten von „Orinoco Flow“ durch, doch schafft es Ainsworth spielend leicht, sich dessen Popkorsetts zu entledigen und einen deutlich unnahbaren, aber dennoch geistigen Zwilling zu schaffen. Zuweilen erreichen die Songs dabei allerdings nicht immer ihre komplette Fertigstellung. Das eröffnende „Candle“ punktet zwar mit raumgreifenden Streichern, kommt aber in der Struktur nicht über eine gewisse Skizzenhaftigkeit hinaus.

Ainsworth scheint es in diesem Zusammenhang deutlich wichtiger zu sein, den Stücken Atmosphäre zu verleihen. Ihre helle Stimmfarbe steht dabei in starkem Kontrast zu den abgetönten Arrangements. Zumeist schwelgt sie zwischen eng nuancierten Schattierungen, was sie vor allem in „White Shadows“ deutlich macht: „White shadows glisten in the dark between emotion and response“. Dieses innere Zwielicht lässt „Right From Real“ auf Albumlänge nicht mehr los und so bekommt eben auch das irrisierende „Malachite“ den Schimmer seines namengebenden Edelsteins.

Alles funkelt und glänzt und wird über die rhythmische Struktur hinaus nur selten greifbar. Nicht immer die richtige Wahl für ein Debüt, bei dem man um die Aufmerksamkeit buhlt und nicht mit zu vielen Zwischentönen überfordern will. Doch Ainsworth zieht die Grenzen nicht deutlich, so dass „Right From Real“ zum Edelstein wird, dem eben noch der gewisse Feinschliff fehlt.

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