
„And I am ready for you
Baby, I am ready for you now
I’m not ready for you now
Please don’t hate me”
Ähnlich unschlüssig wie die Worte in „Someone New“ wirkt die Inklusion eines von so altmodischem Gitarrenzupfen geprägten Song auf dem Debütalbum von Jillian Banks, dessen Soundbild über weite Strecken von einem digital modernen Trip-Hop geprägt ist. Die ausgebreitete Zweisamkeit jedoch, die wird vor, während und nach der Beziehung großgeschrieben auf „Goddess“ – auch wenn die Handschrift nicht immer gut zu lesen ist.
Vielleicht liegt es an der Vielzahl an britischen Produzenten, dass die Frau aus Los Angeles permanent in sonische Nachtschwaden gekleidet ist, die nicht weit von einem besonders soften Tricky-Stück entfernt sind. Damit schien sie jedenfalls früh ihren passenden Sound gefunden haben, so dass auch Lil Silva, auf dessen „Work“ sie noch vor ihrer eigenen Debütsingle erschien, gleichermaßen umdampfte Midtempo-Beats von Banks‘ en vogue verfremdeten Vocals umranken lässt wie Jamie Woon oder SOHN. Soulig raunt Banks von Körpern, die miteinander spielen, was neben ihrer Tour mit The Weeknd wohl manche dazu verleitet hat, mal wieder so etwas wie eine Neuerfindung oder Alternierung des R’n’B zu postulieren – ganz als wäre sämtlicher R’n’B eine homogene schwarze Masse auf der Suche nach einem weißen Lichtstrahl, der ihr den Weg aus der Einbahnstraße zeigt.
Dabei bedeckt „Goddess“ sowohl vom textlichem Sujet als auch klanglich kein Genreneuland, erst recht nicht anno 2014, wo ein Jeremih bald schon Angst haben muss, dass sein verzögertes Album bei Erscheinen schon altbacken klingen könnte. Auch kommt Banks bei Weitem nicht an die schonungslose Realitätsnähe einer K Michelle oder die sinnlich-fantastische Bildsprache einer Dawn Richard heran, von großen Beyoncé-Statements mal ganz zu schweigen, aber den Anspruch erhebt sie selbst auch gar nicht. Banks bietet den biederen Komfort eines Wollpullover-Pop, der eben auch von Akustikgitarre oder in „You Should Know Where I’m Coming From“ und im Finale von Piano und Streichern begleitet wird. Nicht zu lüstern oder konfrontativ, aber noch libidinal genug für die Unterwäschewerbung und mit genug ausgestellter Emotionalität für die intimen Szenen im ab 12 freigegebenen Unterhaltungsfernsehen.
So flattert ihre milchige, unelastische Stimme lieber um weniger als viele Noten, nuschelt selbstgeißelnd „Baby, can’t you see if there is such a thing/ of loving someone so much that you need/ to give them time to let them breathe“ oder im nasalen Titelstück selbstermächtigend “Now you gotta deal with this glitch on your shoulder“. In „Brain“ steht Sie über Ihm, stichelt „Boy, don’t hurt your brain/ Thinking what you’re gonna say […] Trying to look smart but not too smart/ To threaten anything they say“, doch sind die Sticheleien nicht gezielt genug um zu schmerzen, wie so vieles bei Oberfläche, Andeutung oder gar klischeehaft bleibt („You and I/ We’re just like magnets, baby“, quetscht sie in „Warm Water“ hervor). Dazu kommt ein Hang zum Verschwurbelten: „All of your words, they have been cursed with dishonesty“ wirkt nur elegant im Vergleich zu „I know my disposition gets confusing/ My disproportionate reactions fuse with my eager state“, das in klobigem Flow aus „Begging For Thread“s Versmaß überquillt.
Eine große Ausnahme ist „Change“, das ein emotionales Gewicht besitzt, weil es eine Missbrauchsbeziehung nachfühlbar treffend beschreibt und die Wirkung von Tiefe und Räumlichkeit der Produktion mit all ihren Halleffekten voll ausreizt. Bloß wirken die Vocaleffekte an dieser Stelle, nach über vierzig Minuten Spielzeit, schon altvertraut und etwas eintönig, die Worthervorhebungen hier und dort identisch. Egal wie man zum Effekt von Banks‘ Musik steht, dem einstündigen Album wäre eine rigorosere Trimmung gutbekommen. So wirken seine Schwachpunkte nur schwerer wiegend.