Ty SegallManipulator
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Label:
Drag City
VÖ:
29.08.2014
Referenzen:
Mikal Cronin, Purling Hiss, Thee Oh Sees, Stooges, The Kinks, The Yardbirds
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Autor: |
| Daniel Welsch |
Man kann leicht mal den Überblick über die Alben verlieren, die Ty Segall unter eigenem Namen oder mit seinen zahllosen Projekten seit 2008 veröffentlicht hat. All diesen Orientierungslosen und allen Neueinsteigern wird man in Zukunft wohl „Manipulator“ als Startpunkt empfehlen – nicht nur weil es sich vielleicht um das bisher beste Album des 27-jährigen handelt, sondern vor allem weil es wie ein Best-of-Album einen Querschnitt durch das bisherige Schaffen bietet.
Trotzdem wandelt Ty Segall mit „Manipulator“ nicht ausschließlich auf bekanntem Terrain, sondern präsentiert auch wieder neue Facetten seiner Musik. Nach dem sehr introvertierten Akustikalbum „Sleeper“ sprang vor allem die Wandlung zum Glamrocker sofort ins Auge, als Ty vor zwei Wochen den neuen Song „Feel“ in Conan O’Briens Late-Night-Show mit silbrig glitzerndem Lippenstift und geschminkten Augen vorstellte. Dabei entfachte der Auftritt beinahe einen ähnlichen medialen Hype wie die mittlerweile schon legendäre Performance von Future Islands bei Letterman – und hätte diesen schon dank des kollektiven perkussiven Freakouts der Band kurz vor Schluss verdient gehabt.
Die für seine Verhältnisse ungewöhnlich lange Pause zwischen „Manipulator“ und „Sleeper“, das vor ziemlich genau einem Jahr erschien, hat der Kalifornier nicht nur genutzt, um mehr Songs zu schreiben, sondern auch um an Songwriting, Arrangements und Produktion zu feilen. Das Ergebnis sind siebzehn abwechslungsreiche Songs in knapp einer Stunde, die dank einer größeren Detailliertheit Ty Segalls Sound auf ein neues Level bringen – ohne die Energie und Unmittelbarkeit früherer Werke zu opfern.
Der Best-of-Charakter des Albums sorgt außerdem dafür, dass „Manipulator“ trotz der Länge – Ty Segall selbst spricht von einem Doppelalbum – ein sehr kurzweiliges Hörvergnügen darstellt, da beinahe jeder Song eine andere Nische zwischen den bekannten Koordinaten Garage-, Glam-, Classic- und Psychedelic-Rock besetzt. So fußt der Titelsong auf einer simplen Orgelfigur, die endlos wiederholt wird, der Schunkler „The Singer“ fällt im Refrain in ein Bett aus Streichern und in „The Connection Man“ treffen böse knarzende Bassflächen auf einen fiependen Synthesizer. Das folgende „Mister Main“ wiederum schlägt mit einem beschwingten Groove von Schlagzeug und Bass sowie extremem Falsettgesang einen ganz anderen Pfad ein, das bedrückende „The Feels“ wird von bleischweren Gitarren beinahe in die Knie gezwungen. Natürlich kommen auch Freunde des gepflegten Gitarrensolos in beinahe jedem Song voll auf ihre Kosten – der schönste Gitarrenmoment versteckt sich aber im Finale von „Feel“, wenn sich die „Feel! Feel!“-Chöre in ekstatische Höhen schrauben und in eine effektvolle Gitarreneruption münden.
Dass sich dieses musikalisch makellose Album hinter einem nichtssagenden und etwas lieblos wirkenden Albumcover versteckt, bleibt der einzige Kritikpunkt an „Manipulator“ – vor allem seit wir wissen, wie gut Ty Glitzer-Make-Up zu Gesicht steht. Aber wenn man sonst nichts findet, woran man herummäkeln kann, hat er wohl verdammt viel richtig gemacht.




Der Conan-Auftritt ist echt überragend, freue mich schon wieder auf die Tour im November. Stimme Dir zu: Sein bislang stärkstes Album – sicherer Platz in meinen Top5 am Ende des Jahres.