JJV
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Label:
Secretly Canadian
VÖ:
15.10.2014
Referenzen:
The xx, Efterklang, Kimya Dawson, Daughter, EMA, Air France
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
JJ – im digitalen Archiv wird auf diese Suchanfrage nur ein Stück des letzten Reptile-Youth-Albums angezeigt, das einem jungen, drogenabhängigen Fan gewidmet war, dessen Initiale der Song trägt. Diese Stimmungspaarung aus euphorisch-depressiven Momenten passt aber auch ganz gut zu der Musik des schwedischen Duos namens JJ, das 2009 noch (in Kleinbuchstaben) klammheimlich sein Debüt herausgebracht hatte. Melancholisch schattenreiche Stücke, die perfekt in das Vorprogramm von Bands wie The xx passten.
Auf „V“ versammeln Elin Kastlander and Joakim Benon erneut sensible Kompositionen, die sich aber aus der Einsamkeit nach draußen wagen. Auf „Fågelsången“ etwa vernimmt man phasenweise Vögelgezwitscher, tropisch anmutende Trommeleien und himmlische Geigen, die nach Fernsucht klingen. Ein durchaus pathetisch aufgeladener Gestus, doch Elin Kastlanders Stimme will nie zu viel: Sie überdramatisiert nicht, ist aber gefühlvoll, geht nicht unter, drängt sich aber auch nicht auf. Abgesehen davon lassen sich die Songs Zeit, oftmals vernimmt man sphärisch lange Intros, bis der feinfühlige Gesang einsetzt, wie etwa beim Eröffnungsstück „Dynasti“.
Die insgesamt lose Struktur aus reduktivem Gitarreneinsatz, fragmentierten Streicherarrangements und schüchternen Klaviertönen, die überdurchschnittlich oft von leicht elektronischem Unterbau gestützt werden, sorgt mitunter für gelungene Momente („Dean Me“), auch wenn das Songwriting sich teilweise ein wenig kitschig naiv darbietet: „God is here, say „Hi“ if you want to. I am dancing with stars and they are dancing with me.“ Auch die tristeren Momente sind da leider auch ab und an eher zäh geraten: „I know, someday we´re gonna die, it hurts, boy, I know, these words will leave you cry“. Thematisch geht es um Zweisamkeit, Hoffnung, Tod.
Genauso oft kann das aber auch in authentisch schöne Popsongs münden, die eine rätselhafte Romantik beherbergen, ohne dass dabei zu häufig auf die Nebelmaschine gedrückt werden muss. So ist etwa das Schlusslicht „All Ways, Always“ ein Liebessong, der dabei auch gegen die „industry of hypocrites“ ansingt und repetitiv einen „Summer Of 69“-esken Riff auf Reverb einsetzt. Falls das abschreckend klingt: soll es nicht.
Viele Passagen erreichen dadurch eine hohe Intimitätsrate, doch vieles hätte da ambivalenter konzipiert werden können, denn die Songkonturen bieten trotz Reduktionsprinzip durchaus abwechslungsreiches Spannungspotential: düster Darth-Vader-artig getunte Stimmen, pluckernde Beats, in der Düsterheit immer noch flimmernd hell schimmernde Xylophonklänge (auch hier fühlt man sich etwa bei „I“ streckenweise ein wenig an „Coexist“, das letzte xx-Album, erinnert), ein Gesangsqualität beweisender Kirchenchor („Be Here Now“) und kurze Indierock-Sequenzen.
„V“ beweist sowohl das kompositorische Talent von JJ als auch, dass nicht die Anzahl der musikalischen Mittel darüber entscheiden muss, wann ein guter Popsong vorliegt. Das ist in Zeiten der zwanghaften Überproduktion immer noch wichtig und mit ihrem Hang zur Liebesschmerz-Thematik liegt dann auch die nächste Parallele zu The xx vor, deren Hörerschaft mit JJ sicher nicht falsch liegen dürfte, auch wenn das Songwriting hier ein Stück weniger unmittelbar ausgefallen ist.


