First Aid KitStay Gold
Tja, es ist wieder Sommer und auch ich habe mich aus meiner kühlen, durch und durch schwarzen und feucht-moderigen Gruft immer mal wieder ins gleißende Sonnenlicht gewagt. Um den Übergang nicht zu drastisch zu gestalten, hilft es, sich neben einer dunklen Sonnenbrille auch mental darauf vorzubereiten. Dabei helfen seit Jahr und Tag fluffig weiche Sommerplatten, gern mit viel Folk und Wir-hüpfen-Barfuß-durch-die-Blumenwiese-Attitüde. Die Schwedinnen von First Aid Kit sind in dieser Richtung Legion. Folglich wird man selbst unter Tage hellhörig, wenn ein neues Album ansteht, denn die beiden verpacken neben gediegenem Trallala auch immer noch genügend kleine Spitzen in ihre Songs. „The Lion’s Roar“ mit dem Überhit „Emmylou“ setzte 2012 die Marke allerdings sehr hoch und markierte für die Schwestern auch den nächsten Schritt auf der Karriereleiter, mit „Stay Gold“ machen sie den Sprung vom Indie-Label Wichita zum Major Columbia. Musikalisch bleibt eigentlich alles beim Alten: perlende Gitarren, Streicher, Duettgesang, Pedal-Steel, Sehnsucht, Heimeligkeit, die unendliche Weite des Himmels über der schwedischen Prärie, unterfüttert – vielleicht dem Majordebüt geschuldet – mit einer Portion mehr Opulenz und Zucker. Alles richtig gemacht Richtung Festival-Hauptbühne und Radio? Sicher, aber über den Verlauf der zehn Songs ist mir das Dargebotene dann doch zu stromlinienförmig und die Ah-Uh-Oh-Melodiebögen und Vokalspitzen erreichen die Sättigungsgrenze. Am Stück eher grenzwertig, fragmentiert genossen allerdings oft zum Heulen schön.


