Schon das letzte The-Walkmen-Album „Heaven“ durchzogen Fäden herzlichster Anmut und es wimmelte vor Melodie- und Harmonieseligkeit. Auf „Black Hours“ mischt der Kopf der Gruppe, deren Mitglieder in diesem Jahr fast alle noch Solomaterial veröffentlichen, herrlich altmodische Sounds und Rhythmen darunter. Mit weit ausholendem Gestus umfängt er Szenen und Momente, die den Salonorchestern der 20er-Jahre genauso nahe kommen wie den Prom-Nights der Rock’n’Roll-Ära.

Die Stärke von „Black Hours“ liegt im Beginn. Schon „5 AM“ verzaubert mit weit schweifender Grandezza und lässt Leithausers Stimme über eine verschleppt swingende Melodieminiatur und schnarrende Streichervibrati hinweg steigen. Das folgende „The Silent Orchestra“ überrascht mit dem Einsatz eines Marimbaphons, dass sich leichtfüßig in den Vordergrund spielt, bis der Sänger nach einem lässigen Break das Stück zurückerobert und für verzückte Gesichter sorgt. „Alexandra“ wiederum steht in bester Tradition der „Mädchenmusik“, kann man sich doch gut die glückselige Miene der besungenen Protagonistin beim Eröffnungstanz vorstellen.

Nach diesem furiosen Beginn macht Leithauser über den Rest des Albums genau da weiter, wo er gesanglich auf „Heaven“ aufgehört hat. So folgt auf das von Xylophonen eingerahmte „11 O’Clock Friday Night“, das von mollenem Piano eingefärbte „St. Mary’s County“, einer fast zu schönen ruhigen Ballade, die dem Album noch einmal mehr Schlagseite in längst vergangene Zeiten beschert. Man merkt dem Album an, dass sich der Walkmen-Frontmann Hilfe von einigen, vor allem sehr melodieverliebten Mitmusikanten geholt hat. So tropft aus vielen der Stücke diese kleine Portion Wehmut, die vielleicht von Morgan Henderson von Fleet Foxes, ganz sicher aber von Richard Swift ins Spiel gebracht wurde.

Auch Rostam Batmanglij von Vampire Weekend wirkt auf „Black Hours“ mit, so dass dem Album insgesamt trotz seines ausgewogenen Klanges genügend Varianz angedeiht. Sicher, allen voran ist dabei immer an die hervorragende Stimme Leithausers zu denken, die doch in diesem neuen Kontext noch mal ganz andere Wirkung erzielt. So schaukelt er sich in „I Retired“ ganz in die Nähe eines Cass McCombs, auch die Verve des klassischen Rat Packs ist nicht weit entfernt. Alles, was dabei anecken könnte, wird mit sanftem Twang beiseite geschoben und verdingt sich als Stichwortgeber zu einer wahrhaft wohlklingenden Platte.

„Black Hours“ versprüht trotz des dunklen Titels ein durchweg positives Gefühl, selbst die stillen Pianopassagen können dem entspannten Grundton kein Paroli bieten. Es ist überdies ein sehr gut tanzbares Album geworden, allerdings eher im Sinne der gediegenen, heiteren Abendsoiree. Verve und ein guter Schuss Eleganz, so kann Leithausers Soloalbum mit Sicherheit ein immer wieder gern aufgelegter Evergreen werden.

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