AnnePulling Chain

„Einen auf elektronisch machen“ ist ein blöder Ausdruck, der die Mannigfaltigkeit von individuellen Entscheidungen, die hinter künstlerischen Prozessen steht, in einem altmodisch binären Verständnis von Klangkategorien primitiviert. Das geradezu rätselhaft misslungene zweite Album von Anne wirkt jedoch tatsächlich so, als hätte sich der Chef der bis dato Shoegazeband aus Portland eben dies vorgenommen – und keinen Schritt weitergedacht. Solo schichtet David Lindell generische Synth-Loopereien ziellos auf ausdruckslos steifen Wummerklatsch-Beat, beide wechseln ihre Gestalt ohne Sinn und Verstand, jedes Arpeggio führt ins Nirgendwo. Die blutleeren Vocals, die in ihrer lauwarmen Intensität nicht mal zur gothigen Kälte von Cold Cave/Coldwave taugen, geben genauso wenig Struktur wie hier irgendetwas experimentierfreudig dekonstruiert oder effektiv atmosphärisch würde. „Pulling Chain“ klingt lediglich sinn- und ratlos und ist das seltene Album, dem es gut getan hätte, sich hinter einer kaschierenden Betonwand aus randomisiertem Noise zu verstecken. Es soll ja selbst in der modernen Gegenwart noch Menschen geben, die mit Synthpop jeglicher Art nichts anfangen können – ihnen kann man hieran vielleicht illustrieren, wie schlecht gemachter tatsächlich klingt.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum