BeckMorning Phase
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Label:
Caroline
VÖ:
28.02.2014
Referenzen:
Villagers, Bright Eyes, Balthazar, Feist, Woodkid, William Fitzsimmons, The Shins
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Die allgemein gehegten Ahnungen dürften sich mittlerweile bestätigt finden: „Morning Phase“ von Beck weist definitiv große Parallelen zu „Sea Change“, seinem 2002er-Meisterwerk in Sachen Melancholikerpop auf. Der klassische Songwriterstil hat die experimentellen Facetten des Popchamäleons erfolgreich übertüncht. Kaum zu glauben, dass es sich hier um denselben Interpreten handelt, der damals noch Sympathie für die New Yorker Antifolk-Szene hegte und zu Beginn der Neunziger dem Grunge zugeordnet wurde. Selbst auf dem letzten Album „Modern Guilt“ hatte Beck sich noch der Hilfe von Danger Mouse (unter anderem Broken Bells und Gnarls Barkley) bedient, ebenfalls bekannt als Liebhaber der Genreignoranz.
„Morning Phase“ jedoch arbeitet sich nicht mehr an Sprechgesang oder Alternativrock ab, bietet kein großes Variationspotential mehr, wie es beispielsweise auf „Guero“ oder auch „The Information“ noch zu finden war. Stattdessen: orchestrale Begleitung in Form von Streichern, einsame Akkustikgitarren und ein wenig Hall. So beginnt das mittlerweile zwölfte Studioalbum mit „Morning“ nach Streicherauftakt im Intro auffallend ähnlich dazu, wie eben „Sea Change“ mit der Nummer „The Golden Age“ eröffnete: verträumt, warm und schüchtern sehnsüchtig.
Beck orientiert sich am eleganten Songwritergerüst. Der Multiinstrumentalist greift zu Piano, gedämpftem Schlagzeug und eben seiner altbewährten Klampfe. Vielleicht liegt es daran, dass das Scientology-Mitglied Beck selbst ein höheres Level der Perfektion anpeilt, die Songs streben jedenfalls eine makellose Vollkommenheit an, wollen fehlerfreie Kompositionen sein. Albernheiten und Gameboy-Fiepmelodien sucht man hier vergeblich, von 8-Bit-Musik, wie sie etwa die Basis von „Guero“ bildete, gibt es keine Spur. Stattdessen bietet ein stimmlich versierter Beck elf auf Hochglanz polierte Stücke (zwei kurze Streicher-Zwischenspiele mal ausgenommen).
Mal episch minimalistisch wie auf „Wave“ (Woodkid könnte also durchaus von Beck beeinflusst sein), spärlich reduziert wie bei „Say Goodybe“, dann wiederum etwas zackiger wie die aktuelle Single „Blue Moon“ (exemplarisch für die Direktheit der Texte: „I am so tired of being alone“) oder mal leicht (ganz unpeinlich) countryhaft mit Mundharmonika angehaucht in „Country Down“, das ebenso Conor Oberst gut stehen könnte. Auch wenn man Beck als Perfektionisten mit seiner Produktionserfahrung (der Kerl hat schließlich ein Bowie-Album mit einem Mammutorchester vertont) nicht abnehmen kann, Songs an einem einzigen Tag fertig stellen zu wollen: Es wird plausibel, warum Beck Sympathie für die klassischen, überschaubareren Produktionsweisen hat, wie sie noch Bands wie die Kinks oder Beatles verfolgen konnten.
Abgerundet wird der Ohrenschmaus durch „Waking Light“, einem der Höhepunkte des Albums. „When the morning comes to meet you, lay me down in waking light“, haucht Beck gefühlvoll, aber gekonnt unaufdringlich. Genau hier liegt die Stärke der Platte, der man lediglich vorwerfen kann, dass sie ab und an ein wenig monoton wirkt und sich phasenweise zu sehr – auch wenn es insgesamt heller und optimistischer klingt – an dem „Sea Change“-Muster orientiert. Doch das stört und interessiert die Ohren letzten Endes kaum. Hand aufs Herz: Wie könnte es auch?


