Clouds CollideUntil The Winds Stops Blowing...
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Label:
Khrysanthoney
VÖ:
29.01.2013
Referenzen:
Alcest, Deafheaven, Liturgy, Woods Of Desolation, Bosse-De-Nage
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Letztes Jahr erschien mit „Sunbather“ von Deafheaven ein Album, auf das sich sehr viele Leute, die an und für sich keinen oder kaum Black Metal hören, einigen konnten. Ohne die Vorarbeit von Alcest und Liturgy hätte es vermutlich etwas anders geklungen … doch warum erwähne ich das? Nun, erstens weil Alcest gerade ein neues Album veröffentlicht haben, auf dem keine Spur mehr von Black Metal zu finden ist und zweitens, weil sich im Fahrwasser dieser beiden Bands das Genre weiter geöffnet hat und wohl auch noch öffnen wird.
Dieser Umstand mag Die-Hard-Fans und Wahrern der reinen Lehre übel aufstoßen und die Zornesröte in die bleichen Gesichter treiben, vermutlich haben sie „Sunbather“ allerhöchstens als verachtenswerten Hipster-Black-Metal wahrgenommen, aber einen Weg zurück wird es schwerlich geben. Dabei wird bei aller Lamentiererei leider ein wichtiges Kriterium für (gute) Musik übersehen, welches weit abseits von purem Können und Bewahren liegt: Ihre Fähigkeit und ihr Wille zur Transgression – nur dadurch kann Neues, Interessantes und oft Gutes, Atemberaubendes entstehen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf Vaura hinweisen, welche mir immer besser und besser gefallen und die in einschlägigen Metalblogs teilweise ordentlich Prügel bezogen haben, weil sie nicht der reinen Lehre folgen. Nun aber zu Clouds Collide alias Chris Pandolfo, dessen Album „Until The Wind Stops Blowing…“ zum größten Teil in Eigenregie entstanden ist. Auch Clouds Collide ist ohne die Vorarbeit von Alcest oder Liturgy schwerlich vorstellbar, ebenso wie man sich Pandolfo so gar nicht als klassischen Schwarzmetaller vorstellen kann. Vielleicht trägt dazu auch das völlig genreferne Albumcover bei, auf dem seine Mutter mit Wollmütze und dicker Jacke, ein Heißgetränk konsumierend, auf der Rückbank eines Autos gezeigt wird.
Auch wenn sich Pandolfo vordergründig an Genrekonventionen hält – Blastbeats, enervierendes Geschrei und Tremologitarren – und das gesamte Klangbild mit „harsch“ oder „lo-fi“ wohl noch am ehesten zu beschreiben ist, was den DIY- und Nonkonformismus-Charakter des Albums unterstreicht (von der Brücke, die ein solches Klangbild zu den Gründern des Genres schlägt ganz zu schweigen), dient ihm Black Metal eigentlich nur als Blaupause, auf die er seine Visionen projiziert. In diesen hängen die Gitarren eben auch oft wie Mandolinen in der Luft oder Spuren werden dermaßen verdichtet, dass sie den Klang eines russischen Männerchors imaginieren lassen, der sein melancholisches Brummen über die winterlichen Weiten der sibirischen Tundra erklingen lässt. Durch diese beinahe cineastischen Tricks, die glücklicherweise nie ins Kitschige kippen, bekommt die Musik eine sehr eigenwillige emotionale Tiefe und Wucht. Diese wird noch potenziert durch das Albumthema der Erinnerung an die verstorbene Mutter (daher auch das Covermotiv). Als wirklich schade muss man den Umstand betrachten, dass Pandolfo das Experiment mit seiner klaren Stimme auf „As If A Dead Leaf“ beschränkt, denn durch die Kontrastierung von genretypischem Gekeife und Klargesang wäre noch einiges mehr an Spannung und Tiefe drin gewesen. Insgesamt bekommt man beim Hören von „Until The Wind Stops Blowing…“ allerdings das Gefühl, dass sich Clouds Collide in seiner gesamten Melodieführung eher am Pop-Punk, Indierock oder Shoegaze orientiert als an einschlägigen Metalvorbildern.
Daher: Achtung! „Until The Wind Stops Blowing…“ ist schlimmster Hipster-Black-Metal, noch nicht ganz ausgereift ,aber mit Potential und – entschuldigen Sie die pubertäre Wortwahl – einfach krass!


