Letztens stand ich vorm Vinylregal eines hiesigen Musik-Grossisten und wühlte mich durch Neuerscheinungen und die üblichen 180g-Wiederveröffentlichungen, als mir eine Platte in die Hände fiel, deren Promoaufkleber damit warb, dass 70er-Psychedelic-Rock noch nie so authentisch geklungen hätte wie auf diesem neuen Album einer neuen Band!

Die Frage, die mir dabei augenblicklich durch den Kopf schoss war, ob dies nun gut oder doch eher eine Drohung war. Mein Herz sagte mir, es müsse eine Drohung sein, auch an die Originale von damals, die ihre Hausaufgaben scheinbar unzureichend gemacht hatten. Schlimmer noch, dass sie augenfällig keine Ahnung hatten, wie richtiger Psychedelic Rock denn zu klingen gehabt hätte. Aber warum zur Hölle sollte im Jahr 2014 eine totale Mimikry von 1970 irgendeine Relevanz haben? Geschweige denn, warum sollte so etwas ein Qualitätskriterium sein? Und hatten wir so etwas nicht erst gerade von Temples, welche die Wiederaufführung auf einen neuen Gipfel hoben, ohne freilich gänzlich scheiße zu sein? Und jetzt?

Jetzt kommen The Oscillation mit ihrem dritten Album, dessen Cover auf Anhieb eigentlich wenig Gutes verheißt. Aber wir rezensieren hier selten Cover, sondern meistens bloß Musik. Also lauschen wir den Klängen, die unserer Stereoanlage entfleuchen und nach deren Ausklang man sich einigermaßen musikalisch beruhigt und Tiefen entspannt wiederfindet. Zwar triggern auch The Oscillation sämtliche 60er- und 70er-Assoziationen – Krautrock, verspulte Trippigkeit, Wah-Wah, Fuzzzzzzz – aber die Band aus London hat das Vintage-Equipment glücklicherweise weitestgehend in den Studioecken stehen lassen. Der Bass wird zumeist sehr prominent eingesetzt und bereitet mit dem Schlagzeug den Raum, in dem sich Gitarre oder Psycho-Orgel, als Sägen oder Effektschleudern, im kontrollierten Freak-Out austoben dürfen. Das lässt eher an Spacemen 3, Shoegaze oder hypnotische US-Westküstenpsychedelik à la Wooden Shjips denken denn an Beatles, Byrds und Pink Floyd pur.

Auch die Gesangsdarbietung von Demian Castellanos erinnert eher an die stimmliche Nöligkeit von Post-Punk oder The Jesus And Mary Chain. Und wenn dann wie beim instrumentalen „Corridor (Part 2)“ fröhlich gedubbt wird, macht das den Unterschied zu Temples nur noch deutlicher: An The Oscillation ist die Musikgeschichte der letzten fünfzig Jahre eben nicht spurlos vorüber gegangen. Ihre Vorbilder liegen über die Dekaden bis ins Jetzt verteilt und es geht ihnen nicht um werkgetreuen Nachbau der Vergangenheit, sondern um selektive Aufnahme von Puzzlestücken und deren Fusion und Transformation. Das bleibt im Ergebnis zwar immer noch irgendwie „retro“, ist aber eben nicht „retromanisch“.

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