Interview: Bohren & Der Club Of Gore
AUFTOUREN: Findet ihr eure Musik denn selber hart?

Morten: Naaa. Ehrlich gesagt, weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich hart finden soll. Das ist alles so verwässert oder einerlei. Welche Musik ist hart? Im Grunde genommen finde ich Musik hart, die ich mir nicht anhören kann, weil sie mich nervt.

Zum Beispiel?

So elektronische Experimental-Sachen, wo alles verzerrt ist, die Beats, der Gesang. Das finde ich einfach hart. Das ist hart, aber auch scheiße eben. Also für mich ist hart gleich scheiße.

Wieso seid ihr damals den Weg mit den Vocals von „Beileid“ eigentlich nicht weitergegangen?

Deswegen ist die Platte ja so eine Mini-LP, wie eine Remix-Platte. Andere Bands bringen so eine Remix-Platte raus, da sind dann komische Stücke drauf, und so wollten wir das quasi mit „Beileid“ machen. Wir wollten was zwischen den beide Alben rausbringen, um die Zeit zu überbrücken. Leider hat das mit der Coverversion so lange gedauert, dass wir uns da zeitlich ein bisschen vertan haben. Wir sind eben Instrumentalband. Das ist Fakt. Wir wollen auch keinen Sänger haben. Also, wenn einer von uns jetzt singen könnte, wäre es was anderes, aber ich möchte nicht noch zusätzlich jemanden da in die Band integrieren oder einen Sänger suchen.

Auch nicht, wenn Du die freie Wahl hättest?

Das ist halt albern, verstehste? Das widerspricht eben irgendwie unserem Band-Gedanken. Wir nehmen die Platte selber auf, mit unseren Mitteln, in unseren Räumlichkeiten, mit unserem Fachwissen. Wie viele Leute haben uns schon angeboten: „Ich produziere eure Platte, ey!“ Aber ich finde, das ist schon ein Einschnitt in ein Bandgefüge, wo es dann nicht mehr dasselbe ist. Bei Mike Patton haben wir lange drüber diskutiert. Letztendlich war es mehr oder weniger eine Notlösung, weil uns die Zeit weglief. Wir wollten eigentlich so Amanda Lear verpflichten. (Lacht.) Aber wir haben gedacht, wenn wir der jetzt den Song erklären, sind wir noch in drei Jahren bei der Nummer. Naja, der Patton hat das dann schnell begriffen und schnell erledigt. Davon mal ab wollten wir schon immer was mit ihm aufnehmen. So haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er hat es wirklich super gemacht.



Gab es denn schon mal Angebote, dass ihr einen Soundtrack schreibt? Dafür wäre eure Musik ja prädestiniert.

Hatten wir auch schon. Wir sind ja irgendwo auch schon verbraten worden, zum Beispiel in diesem Film von Madonna lief auch ein Stück von uns. „Karin“ in diesem „W.E.“. Klar haben sie uns schon nach einem Soundtrack gefragt, das ist eben so eine Sache. Das ist leider viel Arbeit und wir sind da nicht die schnellsten. Ich wüsste gar nicht, für welchen Film man einen Soundtrack machen solle. Man müsste den vorher mal sehen. Aber dummerweise ist der Film dann ja meistens nicht fertig. Vielleicht gefällt er einem nicht oder man müsste sich mit dem Regisseur absprechen – er braucht jetzt eine Actionszene und dann wird es bei unserer Musik schon schwierig. Ich bin nicht besonders scharf drauf einen Soundtrack zu machen und die anderen auch nicht, sagen wir es mal so.

Hätte ja sein können, dass irgendein „Tatort“-Regisseur mal angerufen und gefragt hätte.

Nee, ich glaube nicht. Aber im „Tatort“ haben sie uns auch schon verwurstet, davon mal ab. In irgendeinem Kölner „Tatort“ war irgendwas von „Black Earth“ in einer Sterbeszene im Krankenhaus. Ich habe erst gedacht: „Da macht ja einer einen auf Bohren!“ (Lacht.) Das Stück lief da so ganz dezent im Hintergrund und auch nicht lange. Es bietet sich wahrscheinlich an – unsere Musik für Soundtracks. Letztendlich muss aber erstmal ein tolles Angebot kommen. Bisher kam keins.

Wie muss man sich eine Bandprobe bei euch so vorstellen? Sitzt ihr im Halbdunkel mit einer Flasche Rotwein? Viele Leute sagen ja, dass eure Musik nur bei Nacht funktioniert.

Wir proben bei meinen Eltern im Keller, sozusagen. Der Keller ist aber schön. Der ist nicht versifft.

Euer Proberaum ist wirklich bei Deinen Eltern im Keller?

Jaja, wir hatten bis vor drei Jahren einen Proberaum in Duisburg im Bunker gehabt. Den hatten wir auch seit 1987 gemietet, so lange waren wir da drin. Der musste aber leider wegen der Loveparade geschlossen werden, weil es da Sicherheitsmängel gab. Seitdem proben wir wieder im Keller meiner Eltern. Wo ich lustigerweise mit dem Robin, unserem Bassisten, angefangen habe, Hardcore-Punk zu spielen. Der Kreis hat sich mit der neuen Platte geschlossen.

Dr. Dre hat mal gesagt, dass er mit seinen neuen Alben erstmal ins Auto geht und dort zuhört, weil er nur da hören kann, ob das Album wirklich gut ist. Wo habt ihr „Piano Nights“ zuerst komplett durchgehört?

Ich habe es auch im Auto und auf dem iPod gehört. Ich kann mir aber schon vorstellen, was Dr. Dre für einen Wagen hat. Ich fahre einen „VW up“. Der hat leider nicht mal Boxen hinten drin, sondern nur vorne und die schmettern schon beim ersten Basston ab. Also, nicht schön ab, die kacken ab. In meinem alten Auto, meinem alten Golf III, da wäre es gut gewesen, da hatte ich hinten schöne Bassboxen drin. Aber den habe ich jetzt nicht mehr. Klar, man hört die Platte überall, rein interessehalber schon, wie sie eben klingt. Während des Abmischens hat man sich da sehr bekloppt gemacht, wie das Album irgendwo klingen könnte.

Hört man sich als Musiker eigentlich seine alten Alben an?

Manchmal. Das Doofe ist: Man hat die in der Entstehung und live so oft gehört. Man will die immer total gerne hören, aber wenn man sie hört, hört man sie irgendwie nicht richtig oder lässt sich schnell ablenken. Ich würde die Alben gerne nochmal mit gelöschtem Gedächtnis hören, so wie man einen Film gerne nochmal gucken möchte, den man aber schon oft gesehen hat.

Ein Gerücht musst Du bitte aber mal auflösen: Seid ihr wirklich einst die Backingband von Helge Schneider gewesen?

Nee.

Aber gibt es da irgendeine Verbindung?

Der kommt halt aus Mülheim.

Ich habe das immer wieder mal gelesen.

Keine Ahnung. Was habe ich nicht alles schon gelesen? Als wir mit Isis auf Tour waren, hatten die gelesen, wir würden in Nazi-Uniformen auftreten. (Lacht.) Von daher ist dann alles möglich, glaube ich. Also, das stimmt nicht.

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Ein Kommentar zu “Interview: Bohren & Der Club Of Gore”

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