Maxïmo ParkToo Much Information
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Label:
Vertigo Berlin
VÖ:
31.01.2014
Referenzen:
Bloc Party, Gary Numan, Arctic Monkeys, Devo, Franz Ferdinand
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Die Liga der UK-Indierock-Gentlemen hat im letzten Jahr wieder die Bühnen der Welt betreten. Teils so überzeugend, dass man von einer Renaissance sprach, sich zumindest für Momente wieder an die Welle der Sensationsbands aus dem Jahre 2005 erinnern wollte und konnte. Bloc Party haben wohl – wenn auch nicht immer überzeugend – den weitesten Blick über den Tellerrand gewagt und damit einige vergrault. Die eleganter gewordenen Arctic Monkeys hingegen setzten wie Franz Ferdinand weiterhin unbeirrt auf den Schwerpunkt Gitarre. Und was ist mit Maxïmo Park?
Sie blieben sich soundtechnisch weitestgehend treu. Es blieb jedenfalls überraschend unauffällig. „The National Health“ war 2012 eine solide Scheibe, die kein „Apply Some Pressure“ mehr (re-)produzierte, aber doch kurzzeitig ein paar Ohrwürmer offerieren konnte. Der Ende letzten Jahres im Netz kursierende Track „Brain Cells“ (Gary-Numan-Assoziationen werden wach: der Drumcomputer scheint hier auf 80er-Modus installiert) diente als Vorbote für eine, so von einigen prognostiziert, Überraschung. Würde die Truppe um Paul Smith nun (wie ja so viele) synthie-elektrifiziert? Stand ein Paradigmenwechsel an? Für manche gälte ein solcher nicht als originär künstlerischer Ausdruck, sondern wäre bösen Stimmen zufolge Kalkül, beziehungsweise Anpassung an eine verbreitete Produktionsmode, die momentan beispielsweise darin besteht, primär mit Synthies zu arbeiten. Fertig ist die Story.
Übergangen wird bei solchen Ansätzen aber meistens die wichtigste aller Fragen, wie die Songs denn nun überhaupt klingen. Zu viel (angebliche) Information kann eben auch ein emanzipiertes Urteil verhindern. In diesem Sinne lässt sich auch „Midnight On The Hill“ (der eigentliche Titeltrack) lesen, in dem Paul Smith davon singt, dass er dazu neigt, seine Geheimnisse nur anonymen Fremden nachts auf einem Hügel anzuvertrauen. Doch das Gerede um vermeintliche Sound-Umorientierungen hat die Band natürlich auch selbst ein wenig hervorgerufen. „Brain Cells“ präsentierte sich in düsterem Ravenebel und provozierte schon fast einen Bruch mit Hörerwartungen, die vom klassischem Indie-Habitus ausgingen. Man darf gespannt sein, wie der live stets wild umherspringende Smith sich zu diesen Kompositionen bewegen wird. Doch wie sieht es mit dem Albumrest (da sind schließlich noch zehn weitere Nummern) aus? Der Rest ist melodisch geraten und weichlicher als der Vorgänger. Recht schnell wird vernehmbar, dass die Gitarre gar nicht ins Museum gewandert ist, auch wenn man das anhand der (clever ausgewählten) Singleauskopplung „Leave This Island“ mit ihren blubbernden Synthieflächen sicherlich hätte vermuten können.
Aber das ist auf „Too Much Information“ eben keine Programmatik, leitet keinen generellen Richtungswechsel ein. Treibender Indierock ist gleichberechtigt, findet sich schon im Auftakt „Give, Get, Take“ eingelöst. Am auffälligsten äußert sich der experimentierfreudige Ansatz aber in Smith stimmlicher Variationsbreite. Sein Gesang wirkt zum Teil gruftig düster, erklimmt dann aber wieder nicht erahnte Höhen. Deshalb ist „Too Much Information“ aber noch längst keine Neuerfindung. „Lydia, The Ink Will Never Dry“ etwa liefert wieder diese Paul Smith eigene Romantik von der englischen Küste und auch „Her Name Was Audre“ sowie „I Recognise the light“ hätten mit ihren hibbeligen Gitarren-Intermezzi (fast) ebenso problemlos vom unerreichten Debüt „A Certain Trigger“ stammen können.
Im krassen Gegensatz dazu steht das eher galante „Drinking Martinis“. Songs wie dieser wirken in sich differenzierter, verlieren jedoch trotzdem nicht an Unmittelbarkeit oder Vitalität. Doch sie entladen sich seltener, sind wie „Is It True?“ weniger zackig-punkig aufgeladen. Insgesamt scheint „Too Much Information“ entschieden unentschieden ausgefallen. Das kann man den Nordengländern sicherlich auch ein wenig zum Vorwurf machen. „I Don´t Know Where We´re Going“ jauchzt Smith am Ende. Das ist dann fast schon wieder sympathisch.


