Mutual BenefitLove's Crushing Diamond
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Label:
Pias UK/Fat Possum
VÖ:
17.01.2014
Referenzen:
The Antlers, Fleet Foxes, Cloud Control, Animal Collective, Grizzly Bear
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Mit seiner provozierenden Innerlichkeit erinnert „Love’s Crushing Diamond“, das Debüt von Mutual Benefit, an den Erstling von The Antlers. Allerdings teilt es auf den ersten Blick nicht dessen Schwere, die sich dort schon im Titel ankündigt. Vielmehr bekommt man das Gefühl, dass seine Songs bei aller getragenen Zurückhaltung eine Art romantischer Glaube an die Möglichkeit eines besseren Morgen durchweht – dank der diamantzersetzenden Kraft der Liebe.
Das ist hochgradig erstaunlich, denn Jordan Lee befasst sich in seinen Texten mit dem totalen Gegenteil von freudiger Zukunftserwartung. Sie handeln von Verlust, Krankheit, Trauer oder suizidalen Tendenzen, jenem Teil des lebensbezogenen Spektrums eben, welchen man nur zu gerne ausklammert, vergisst, verdrängt oder zum persönlichen Vorteil neu interpretiert. Nicht umsonst erinnern wir uns, von unserer persönlichen Vergangenheit, doch eher an die guten und/oder verklärten Momente. Zur musikalischen Untermalung dieses Themenkreises bedient sich Lee einer Fülle ihm zur Verfügung stehender Mittel: Gepinselte, pointilistische Beats, Streicher, gezupfte Gitarren und Banjos, Field Recordings, Glocken- und Windspiele, Melodien zum Niederknien. Wattebäusche so weit das Ohr sie wahrnehmen kann – und doch brodelt es im Sediment. Dazu kommt sein körperloser Gesang von getragener, beinahe aufreizender Schlichtheit, nicht zu ausdrucksstark, nie aufdringlich und meilenweit davon entfernt, Angst vor eventuellem Kitsch zu haben.
Man könnte Mutual Benefits Folk 2.0, mit einer starken Unterströmung Hypnagogic, vielleicht als eine Art Verschleierungstaktik deuten, als akustisches trojanisches Pferd, um durch das vordergründig Liebliche die Trauer und den Schmerzen nur noch tiefer in unsere Herzen und Hirne zu tragen. Das Ziel ist, dort einen Weg und die Möglichkeit zur Empathie zu bahnen; einer menschlichen Fähigkeit und Tugend, die uns in unserem Zeitalter der permanenten Selbstoptimierung, des permanenten Erfolgswahns und des verächtlichen Herabblickens auf vermeintliche Verlierer und gesellschaftlich Ausgegrenzte, diesen menschlichen Müll, der uns am Vorankommen hindert, außerhalb weihnachtlicher Spendenaktionen völlig abhanden gekommen zu sein scheint. Um all dies zu erreichen, braucht Jordan Lee nicht einmal den Verweis auf die großen globalen Themen, nein, all dies gelingt ihm mit der unaufdringlichen Schau nach Innen. In einer Geste der Selbstreflexion, die meilenweit vom Geschrei und Aufmerksamkeitsexhibitionismus der sozialen Netzwerke entfernt ist.
Alles auf „Love’s Crushing Diamond“ ist leise, lädt zum intensiven Lauschen und In-sich-Gehen ein und so entwickelt sich die Platte zu einem wahren Kleinod von intensiver Schönheit und Strahlkraft.


