Swearin'Surfing Strange
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Label:
Pias Coop / Wichita Recordings
VÖ:
02.11.2013
Referenzen:
Pixies, The Thermals, White Lung, Aye Nako, Chumped, Dinosaur Jr., Save Ends
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Als ich letztes Jahr das Debütalbum von Swearin‘ auf Bandcamp hörte und sehr schnell und begeistert den Button zum Kauf anklickte, hatte ich keine Ahnung, dass Swearin‘-Sängerin Allison Crutchfield, die sich diese Aufgabe mit Kyle Gilbride teilt, eine Schwester hat, die als Waxahatchee ebenfalls Musik macht. Sicher, mit zwei, drei Klicks und kurzem Befragen von Google oder Discogs hätte ich umfangreiche Informationen erhalten können – zum Beispiel die, dass die beiden vorher in der Punkband P.S. Eliot zusammengespielt haben. Es war mir aber egal und hätte meine Einstellung zu Swearin‘ und ihrer Musik wohl kaum beeinflusst. Manchmal ist es auch spannender, erst einmal mit weniger Informationen an eine Sache heranzugehen.
Das ist ja auch das Gute an der menschlichen Existenz und ihrem Zusammenwirken mit dem Internet: Alles geht, nichts muss. Man hat die Wahl. Für mich schien es seinerzeit viel interessanter und augenfälliger, dass Swearin‘ neben den ebenfalls tollen White Lung zu den exponiertesten Vertretern einer Reihe von Bands gehörten, die angetreten waren, (Pop-)Punk aus den Klauen von Blink 182 oder Green Day zu retten. Beide boltzen hochmelodische und ebenso energetische Zweieinhalb- bis Zweiminüter raus, die nur so vor Spielfreude strotzten und die mir nach wie vor zum richtigen Zeitpunkt ein Grinsen ins Gesicht zaubern.
Swearin‘ haben es nun geschafft, dass innerhalb kürzester Zeit sowohl ihr Debüt als auch der Nachfolger „Surfing Strange“ eine Veröffentlichung abseits von Bandcamp oder Importen in unseren Breiten erfuhren, der Dank dafür geht ans Label Wichita. Wer jetzt allerdings erwartet, dass sich Swearin‘ erst einmal weiter am bisher eingeschlagen Weg abarbeiten würden, könnte enttäuscht werden. Fans des Debüts müssen tatsächlich bis zum neunten Song warten, bis Swearin‘ gewohnte Fahrt aufnehmen, denn die Unmittelbarkeit und Dringlichkeit des Punk ist einer Richtungskorrektur hin zu mehr Pixies, The Thermals und College-Rock gewichen.
An dieser Stelle kommt dann tatsächlich Waxahatchee ins Spiel, denn mehrere Leute von Swearin‘ halfen Katie Crutchfield bei der Realisierung ihres zweiten Albums „Cerulean Salt“. Hört man nun beide Alben im Vergleich, so erscheint es schlüssig, dass sich die Arbeit an „Cerulean Salt“ auch auf die Arbeit an „Surfing Strange“ niedergeschlagen hat, die akustische Gitarre wird hier öfter mal hervorgeholt und steht beinahe gleichberechtigt neben der elektrischen. Zwar spielen Swearin‘ bis auf „Loretta’s Flowers“ immer noch keine halbakustischen (Singer/Songwriter-)Songs, aber Waxahatchees laute Stücke nähern sich doch merklich den leiseren von Swearin‘ an. Außerdem überschreiten inzwischen fast alle Swearin‘-Songs die Drei-Minuten-Grenze und sind im Midtempo gehalten. Dennoch gibt es natürlich keinen Grund, wie in der Spex geschehen, sich diese beiden Bands als eine einzige zu wünschen. Denn Swearin‘ erhalten sich ihre Eigenständigkeit, die viel auf der Gesangsperformance (egal ob Solo oder im Duett) von Crutchfield und Gilbride beruht und entwickeln eine faszinierende Dynamik im Spiel von schleppender Rhythmik, Laut und Leise und im Vortrag, die durchweht wird von einem feinen Gespür für nostalgische Melancholie oder melancholische Nostalgie. Man kann sich streckenweise nicht dem Eindruck entziehen, dass Swearin‘ die besten Pixies-Songs seit der Trennung dieser 1993 aufgenommen haben, auch wenn ihnen bisweilen die lyrische Tiefe und der Sarkasmus eines Black Francis abgeht.




Mit Verlaub: Den Namen der Pixies in der Rezension dieses Albums häufiger zu erwähnen als „Blink 182“ oder „Green Day“ und tatsächlich indirekt auf Werke wie Surfer Rosa, Doolittle, Trompe le Monde und Bossanova zu verweisen, kommt einer Ohrfeige für Frank Black gleich – selbst wenn dieser das (heute) nicht so empfinden sollte.