An dieser Stelle ist kein historischer Abriss zu „Frauen mit Gitarren“ nötig, Bezüge zu Liz Phair und anderen wurden bereits auf sämtlichen Kanälen hergestellt und selbst wenn sie noch so richtig erscheinen, wäre es irgendwie schade, Katie Crutchfield immerzu an der Vergangenheit zu messen. Unter ihrem Künstler-Alias Waxahatchee veröffentlicht die junge New Yorkerin nun ihre zweite Platte, „Cerulean Salt“, auf der sie grungige 90er-Gitarrenparts mit himmelwärts strebenden Melodien paart, dass es eine helle Freude ist.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Crutchfield trotz ihrer zumeist desperat wirkenden Grundstimmung nie zerknirscht klingt. Ihre Songs sind verwurzelt im Grunge und Alternative Rock der frühen bis mittleren Neunziger, ohne dabei aber zu stumpf den Sound der amerikanischen Westküste zu imitieren. Im kraftvollen „Dixie Jars And Cups“ lässt Waxahatchee die Gitarren gegeneinander anspielen und klingt selbst wie der dritte, missmutige Quin-Zwilling, der für die anderen beiden immer einen zu derben Humor hatte und deswegen nicht mitmachen durfte beim fluffigen Indiepop-Duo.

Der brummelnde Bass, der einen im zweieinhalbminütigen „Brother Bryan“ begrüßt, umarmt den Hörer mit hemdsärmeliger Herzlichkeit und steht stellvertretend für den warmen, sommerlichen Sound der Albumproduktion. Anders als bei Marnie Stern geht es hier niemals um technische Finesse, sondern um songdienliche Strukturen, um kurze, kleinwüchsige Geschichten, die man mal eben so in holpernde Zweiminüter packen kann. Quadratisch, praktisch und sicherlich mindestens gut.

In „Coast To Coast“ spielt Waxahatchee locker fluppenden College-Rock, wie ihn auch die ewigen Weezer in ihrer blauen Phase nicht besser auf den Punkt bringen konnten. Der beste Song des Albums heißt indes „Misery Over Dispute“ und trägt seine Wut schon ganz offen im Titel. Die Gitarren klingen tief, verzerrt, aber nicht böse, Crutchfield singt mit äußerst wuchtigem Timbre und bevor man das als Hörer überhaupt begreift, sind die 100 Sekunden schon wieder vorbei. Kurz, schmerzlos und mit Effet. Waxahatchee erhebt diese Stichworte zu ihren Prinzipien und kreiert mit „Cerulean Salt“ das kleinste Tagebuch-Manifest des Sommers.

Ein Kommentar zu “Waxahatchee – Cerulean Salt”

  1. […] schmiegen. Das ließ sich schon auf ihrem jüngst in Deutschland veröffentlichten zweiten Album „Cerulean Salt“ hören, in Kürze wird man sich auch live auf Waxahatchees erster Headlinertour durch […]

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum