DivorceSeance Fiction
Das offizielle Debüt der schottischen Noise Band Divorce wurde mir seinerzeit vom Kollegen Uli wärmstens ans Herz gelegt und fiel dann doch mangels persönlicher Kapazitäten leider unter den Tisch. Nun entlassen Divorce via Bandcamp das Mini-Album „Seance Fiction“ in die Welt und verkünden auf ihrer Seite zugleich das Ende der Band – Gelegenheit, das Vernachlässigte nachzuholen. Der Vierer aus Glasgow – drei Frauen, ein Mann – macht auch auf „Seance Fiction“ keine Kompromisse. Zu tonnenschwerer Rhythmik kotzt sich die Sängerin, in einer Mischung aus John Lydon zu „Metal Box“-Zeiten und Sex Gang Children, die Seele aus dem Leib. Das Schlagzeug rollt, der Bass treibt und bis zum Anschlag verzerrte Gitarren erledigen den Rest. Das Covermotiv suggeriert, dass die Band im Namen des psychedelisch-bunt Gehörnten unterwegs ist, sich dabei aber nicht nur als mahnende Bilderstürmerin wahrnimmt, sondern mindestens ebenso viel Humor an den Tag legt. Dies kann bei Bandfotos, wo zu irritierendem Verfremdungseffekt mit ahnungslosen Südfrüchten hantiert wird, bewundert werden. Apropos Humor und kompromisslose Musik, das geht ja nicht erst seit den Butthole Surfers bestens zusammen und so bietet „Seance Fiction“ als würdiger Nachruf 25 Minuten vergnüglichste Unterhaltung.


