
Mit einer eingängigen Pfeif-Melodie ging im Herbst letzten Jahres die Karriere der Drums schlagartig los. Ihr Song „Let’s Go Surfing“ eroberte in Windeseile die Musikblogs und landete just sogar in einem deutschen Autowerbe-Spot. „Wake Up, it’s a beautiful morning“, heißt es da und dies könnte glatt das Motto ihres Debütalbums sein, das so freundlich angewedelt kommt, wie der Nachbarshund zur täglichen Begrüßung.
Gemäß dazu bestehen die Songs der Drums auch zu gefühlten 89% aus mitsingtauglichen Melodien und extrem simpel gestrickten Pop-Rock-Songs, die sich in die sonnigen 60s zurücksehnen und gerne ihre unbeschwerten Nettigkeiten im Chor herausposaunen. Manchmal musizieren sie sogar so nah am britischen Wave-Sound der 80er-Jahre, dass man spontanen Beifall spendet und ein Seufzer den Atemkanal verlässt. So war das, so klang das. Und so manch einer wird sie knuddeln mögen, weil das Imitat der Drums ohne große Studioproduktion und verfälschtes Getue daherkommt und sogar Frisuren und Klamotten passend alte Zeiten wieder aufleben lasen. Sie geben sich auch alle Mühe und manchmal klappt es sogar mit bösem Witz. So startet das Album mit den herrlichen Zeilen: „You’re my best friend, but then you die“, die mit schallend abgemischtem One-Tom-Drumsound ein erstes, fast groteskes Bild zeichnen, bevor der sommerliche Weichzeichner ganze Arbeit leistet.
Zwei der Songs kennt der Zeitgeist-Pophörer von gesammelten EPs, der Rest macht so oben ohne in der Sonne eine ordentliche Figur. Anfangs noch etwas käsig, später dann leicht gebräunt. Muckis haben die Tracks ja sowieso nicht, dafür aber eine extrem wuschelige Strandfrisur und eben jenen lässigen Gang, den die Mädels so mögen. „So tell me what to do, It’s a lovely night with the moon in the sky, It’s a lovely night with that look in your eye, But you still sleep with your back to me, Is me and you or is it really nothin?”, quält sich Jonathan Pierce in “Me And The Moon”. Das wäre nicht nötig gewesen. Aber was ist das schon? “I thought my life would get easier“, schiebt er im vielleicht dringlichsten Song des Albums (“Book Of Stories”) hinterher, der zumindest eine aufgeladen melancholische Ahnung versprüht und selbst als Schwedenpop-Hymne gut gekleidet wäre. Der Rest bleibt jedoch: Sommer, Strand und verbrannte Seelen. Es plätschert einfach ein wenig vor sich hin. Thematisch kreist das Brooklyn-Quartett immer wieder um übersichtliche „Boy meets Girl“-Stories (oder wie es eher nicht zusammenpasst), aber Texte sind sowieso nicht die Stärke dieser Truppe. Jedoch seien wir ehrlich: Es gibt auch Nervigeres als totale Entpolitisierung. Entsprechend sollte man The Drums beispielsweise lieber für ihre Konsequenz loben: Schließlich ist ihr Gitarrenpop die ultimative Rückführung zu den alten Tugenden der Unterhaltung: Hits und Kurzweil am laufenden Band. Für den Moment gedacht, sind Halbwertszeit und Beständigkeit sowieso keine Kategorien, die diesen Songs zuträglich wären.
Label: Moshi Moshi
Referenzen: The Soft Pack, Girls, Surfer Blood, Bombay Bicycle Club, Vampire Weekend, Shout Out Louds
VÖ: 04.06.2010