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Rezension: Zola Jesus – The Spoils

Robotisch schaufelt eine Drum Machine durch ein zähes Meer aus dröhnenden Wellen. Über dunkelgrauen Nebelwolken erklingt erst ein hohes Heulen, dann steigt sie unheilverkündend herab, die mächtig hallende Stimme von Zola Jesus. Auf ihrem ersten Album singt die 19jährige Nika Roza Danilova mühelos gegen einen wahren Orkan aus Lärm und in Lärm gekleidete Melodien an, den sie selber geschaffen hat, es ist eines der spannendsten Werke in der aktuellen Masse von Soloproduktionen aus dem amerikanischen Untergrund.

Dabei fing alles so ganz anders an. Von jungem Alter an wurde Danilova eigentlich zur klassischen Opernsängerin ausgebildet, nur um später festzustellen, dass Leistungsdruck und Lampenfieber ihr das Auftreten und damit die weitere Karriere unmöglich machten. Die Lust an der Musik wollte jedoch nicht verschwinden, im Schutz ihrer eigenen vier Wände begann sie mit billigem Analog-Equipment ihre No-Fi-Experimente, die ab 2008 auf Kleinlabels wie Sacred Bones und Troubleman Unlimited allmählich ans Licht der Öffentlichkeit gelangten. Darauf klang sie alles andere als nervös, ihre Stimme, die ein gutes Stück an Siouxsie Sioux erinnert, dominierte sogar die apokalyptischen Klanglandschaften von Stücken wie „Rester“. Mit der Zeit wurden ihre Kompositionen nicht weniger intensiv, zeigten aber eine zunehmende Hinwendung zur eingängigen Melodie. Die präsentiert sich auf „The Spoils“ besonders schön in „Sink The Dynasty“ zu breit streichenden Düstersynths und einem Beat der wie ein unmenschlicher Herzschlag pumpt, dem an Xiu Xius „Boy Soprano“ im Gothikgewand erinnernden „Smirenye“ oder dem sehnsüchtigen „Clay Bodies“ mit Pianobegleitung. Stets trägt die Musik von Zola Jesus etwas Verstörendes mit sich, mit nur wenigen Einzelzutaten erzeugt sie eine bedrohlich dichte Atmosphäre die Endzeitvisionen heraufbeschwört, jedoch nie mit der überzogenen Art von Theatralik die im Industrial und Goth oft ins Lächerliche übergeht. Trotzdem ist „The Spoils“ kein unangenehmes Hörerlebnis, zu aufregend ist diese große Klangwelt, zu gut gleichzeitig Danilovas Gespür für finster gekleidete Hooks, und auch wenn sie wegen ihres Volumens unnahbar erscheinen mag vermittelt ihre Stimme ehrliche, nur allzu menschliche Emotionen.

Label: Sacred Bones

Referenzen: Lydia Lunch, Kate Bush, Xiu Xiu, Danielle Dax, Blank Dogs

Links: MySpace, Sacred Bones

VÖ: 11.07.09 (US)

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