The MurlocsLoopholes

Retro ist Trend. Klamottentechnisch wird auf die 90er geschielt, im Radio läuft Eurodance und überhaupt orientiert sich Vieles an Vergangenem. Auch mit den Murlocs aus Melbourne schaut man rückwärts in die Zeit der Doors und der Jimi Hendrix Experience. Nach zwei EPs aus dem Jahr 2012 kommt das Nebenprojekt von King Gizzard & The Lizard Wizard mit „Loopholes“ direkt aus der Zeitmaschine gestiegen, das Albumcover ruft förmlich „Woodstock!“ und lässt wenig Spielraum für Erwartungen bezüglich ihres Psychedelic Rock: Schwirrende Gitarrensounds, der exzessive Einsatz verzerrter Mundharmonika und die hypnotisch-knarzige Stimme von Sänger Callum Shortal machen die 60er-Ästhetik perfekt. Thematisch bewegen sich die Murlocs zwischen Einsamkeit, persönlichen Unzulänglichkeiten und Ausbrechen aus Konventionen, Songtitel wie „Paranoid Joy“ und „Control Freak“ machen klar, wohin die Reise lyrisch geht. „Rattle The Chain“ gibt sich titelgemäß etwas aufgeregter mit Noise-Abschnitten, viel Gitarrenoverdrive und energischem Gesang oder Schreien, ansonsten bleiben die Murlocs mit ruhigem Takt und entspannten Gitarrenverzerrungen aber eher locker und lässig. Der finale Titelsong macht seinem Namen alle Ehre und schwurbelt sich sechseinhalb Minuten in Instrumentalabschnitten durch die Gefilde des Rock. Schön ist die Musik in ihrer Retroanmutung auf jeden Fall, aber irgendwie wird man beim Hören das Gefühl nicht los, jeden Song in der einen oder anderen Form schon gehört zu haben. Musikalisch eher das Gegenteil von neu, aber gerade deshalb umso entspannter.

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