Kein Laura-Marling-Text ohne Verweise auf Jugend und Ernsthaftigkeit der kürzlich nach Los Angeles ausgewanderten Engländerin – die 23-jährige ist aber auch selbst schuld. „Once I Was An Eagle“ ist ihr viertes Album seit 2008 und wieder so sparsam durchinstrumentiert (Akustikgitarre, Schlagzeug, in guten Momenten ein Cello) und selbstgewiss gesungen, dass man es automatisch einer alten Seele zuordnen will. Auch Marlings abgeklärter Blick auf alles Zwischenmenschliche trägt dazu bei: Die Sängerin weint niemandem eine Träne nach in diesen 16 Liedern, sie beobachtet beinahe analytisch und wirkt deshalb so distanziert wie nie zuvor. Das ist keine Schwäche, sondern eine Tatsache auf „Once I Was An Eagle“. Marling bietet keine Schulter zum Anlehnen an, den ganzen romantischen Schlonz hat sie satt. Wie weit ihre musikalischen Ambitionen inzwischen ausgereift sind, zeigt mit fünf zusammenhängenden, einander fortsetzenden Songs der Einstieg ins Album, der zu den besten Folk-Momenten des bisherigen Jahres gehört.

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