Man müsste Bobbie Gillespie und seine (zeitweise Allstar-)Band Primal Scream eigentlich lieben, für ihren Größenwahn und vor allem musikalische Großtaten wie „Screamadelica“ oder „XTRMNTR“. Nur leider machten es die letzten Veröffentlichungen einem nicht unbedingt leicht, „More Light“ macht in dieser fragwürdigen Tradition keine Ausnahme. Über fast 70 Minuten entfaltet die Band einen von David Holmes produzierten psychedelischen Soundteppich, der eine Nähe zu 90er-Rave und den Erfahrungen der 2011er „Screamadelica World Tour“ nicht leugnet. Diese E-induzierte Psychedelik muss man schon mögen, sonst sollte man von „More Light“ die Finger lassen. Was aber auffällt: Bei allem Musik-Eskapismus zeigt Gillespie klar politisch Kante. Dass diese oft plakativ und sloganhaft kommuniziert wird und in Zeiten von Post-Post-Irgendwas-ismus anachronistisch klingt: geschenkt. Die Sprecherposition Gillespies nach 30 Jahren Rockkarriere sollen mal anglistik- oder literaturwissenschaftliche Seminare klären. Hauptsache, es sagt überhaupt mal wieder einer was im gehobenen Indie-Musikbiz, kurze Slogans kann man sich auch noch in veränderten Bewusstseinszuständen merken. Wenn es ihm nebenbei fast gelingt, das Saxophon aus seiner Umklammerung von furchteinflößendem Softrock-Muzak zu befreien, muss man „More Light“ aber zumindest loben. Für die Liebe fehlt zwar die musikalische Kante, aber dafür kann man ja auf „XTRMNTR“ zurückgreifen.

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