BeachesShe Beats

Manchmal merkt man erst, wie die Zeit vergangen ist, wenn eine geschätzte Band ein neues Album herausbringt und man das Jahr des Vorgängers liest. Was? Das war 2008, als Beaches ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichten und damit ad hoc Anhänger um sich scharten? Und ja, seitdem gab es nichts Neues in LP-Länge von den fünf Damen aus Melbourne, die für die letztjährige Melbourne Music Week treffend folgendermaßen angekündigt wurden: „It’s five women, three guitars, tons of hair and a buttload of loud and uncompromising psychedelia, sweetened with sun-drenched fuzztone.“

Mit ihrem Auftakt wurden sie direkt in die 100 besten Alben Australiens gewählt. Zu Recht. Man sagt Australiern ja eine gewisse Grundentspanntheit nach, ebenfalls zu Recht, wenn man die Musik von Beaches hört. Auch „She Beats“ klingt manchmal durch hallende Gitarren mit überbordenden Echoeffekten und Wah-Pedalen in Daueraktion nach einem Tag am Strand, nach Salz in den Haaren und jeder Menge Zeit (so auch passend beim Titel „Surf“). Der Gesang von Beaches hat auch beim aktuellen Album etwas Beiläufiges, Lässiges. Es geht nicht um Perfektion, es geht um ein Gefühl. Um ein gutes. Denn das vermittelt auch das aktuelle Album der Australierinnen. Auch dieses Mal klingt es weit mehr nach Jam Session als nach minutiös geplanter Studioarbeit.

Erschienen auf Guy Blackmans Label Chapter Music (Dick Diver, Twerps, The Stevens), hat „She Beats“ die Füße tief im Sand von Australiens Stränden. Im Gegensatz zum Debüt ist es jedoch Liebe auf den zweiten Blick. Zunächst liegt der eine oder andere Song schwer im Ohr, bevor auf den zweiten Hörmoment der Genuss von teilweise psychedelisch anmutenden Arrangements in den Vordergrund tritt. Beaches verlieren sich auf den ersten Eindruck in manchem ihrer Songs einen Tick zuviel. Dabei geben sie direkt zu Beginn mit „Out Of Mind“ ein Versprechen, das das Fanherz jubeln lässt: perfekt ist die Abstimmung zwischen Gesang, sich bekämpfenden blubbernden Gitarren und griffigen Soli. Der Titel bietet schon fast zuviel des Guten. Und ist damit genau das, was man als Freund des Debüts erwartet: Konsequente Weiterentwicklung des Erstlings, ohne zu sehr die dem Hörer vertrauten Pfade zu verlassen. Liest man sich durch Interviews und Pressetexte, betont die Band immer wieder, weit mehr als nur eine Band zu sein. Wobei die Frage erlaubt sein muss, was daran eigentlich schlimm wäre? Vielleicht geht es ja darum, jede Einzelne in ihrer eigenen Musikalität wahrzunehmen – hat doch jede der Damen noch andere Projekte durchaus unterschiedlicher Prägung vorzuweisen.

Dieser Eindruck strömt auch durch das Album. Stücke wie „Distance“ sind unglaublich dicht und komprimieren die Einzelleistungen immer noch weiter auf einen Höhepunkt zu, der erst kurz vor Ende das amorphe Gebilde impulsiv beendet. Dennoch geht es teilweise in mäandernde Spielfreuden, denen man als Zuhörer nicht immer zu folgen vermag. Dies mag der Tatsache geschuldet sein, dass hier eben Menschen zusammen spielen, die sich auswendig kennen. Und dabei vergessen – oder es aber für nebensächlich empfinden – den Hörer auf ihre Reise mitzunehmen. Bieten „Dune“ und „Send Them Away“ in ihrer Fröhlichkeit das, was man als Freund des Erstlings so schätzte, so verbuddeln sich Songs wie „Granite Snake“ zunächst in den australischen Sand. An ihnen muss man sich ein wenig abarbeiten, um sie dann mit jedem Hören besser zu finden. Wollte man sich schon fast schmollend in die Ecke verziehen, so entdeckt man mehr und mehr die Finessen, die unter der Oberfläche warten. Wer weiß, wie lang die Spieldauer von „She Beats“ geworden wäre, wenn es keine Grenzen gegeben hätte. Die Spielfreude der Mädels aus Melbourne ist ungebrochen, die Freude, ihnen zuzuhören, nach einer Aufwärmphase auch.


Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum