TamarynTender New Signs

In Zeiten, da verträumte Verhalltheit und faserig verzerrte Gitarren weit verbreitete Ästhetikelemente sind, mag manchmal die Frage aufkommen: Wo fängt Shoegaze an, wo hört Dream-Pop auf? Ist man sich auch nur halbwegs der Bedeutung und Geschichte dieser Begriffe bewusst (Stichworte: A. R. Kane, Moose), ist das leicht entscheidbar bei Beach House (Dream-Pop ja, Shoegaze nein) oder A Place To Bury Strangers (umgekehrt).

Doch nicht gerade selten gibt es Musik, die zwischen den Extremen voluminöser Pedalexzesse und ätherischen Pops wohnt. Beispielhaft steht dafür die Kollaboration der neuseeländischen Sängerin Tamaryn mit dem Gitarristen Rex John Shelverton, der jede Faser seiner Sneaker in- und auswendig kennen dürfte, wohingegen sie aufrechten Hauptes ganz in ihren ungeerdeten Vocals aufgeht. Auf Tamaryns Debüt „The Waves“ lief sie dabei noch des Öfteren Gefahr, formlos und distanziert im Klanggebräu unterzutauchen, merklich aufgeräumter zeigt sich das Nachfolgealbum.

„Tender New Signs“ wartet mit einem weiteren, cineastischeren Soundbild auf, in dem Tamaryns leicht abgeschabte Stimme deutlich aus dem Restgeschehen hervorragt. Nicht nur werden ihre Melodien dadurch zu offensiverem Pop-Effekt eingesetzt, auch Shelverton Spiel lässt sich klar zwischen verträumten Shoegaze-Akkordschichten und songdienlichen Fingerläufen unterscheiden, während dem Bass ein gesunder Tick mehr Volumen verpasst wurde. Ein Zweitwerk also, das durch Sound- und Profilschärfung seine (Dream-)Pop-Qualitäten hervorhebt – doch wie hochwertig sind diese?

Wenn ein Prädikat wie „Dream-Pop“ drauf steht, dann verlockt das. Träume, in denen The Jesus And Mary Chain vorbeihuschen, in denen Mazzy Star davonfliegen. Shoegaze, manchmal zwar nur ein schwermütiger Luftikus („Transcendent Blue“), aber mit wenn auch nicht neuen, so doch sanften Zeichen zurückhaltender und leicht verdreckter Melodieseligkeit, in maßvoll gleißenden Gitarren („Afterlight“), in monotonem Schreiten („Heavenly Bodies“), im hallenden Ausbreiten von Tamaryns verträumt kalter Stimme. (Sebastian Schreck)

Man hat ja nichts dagegen, wenn Musiker ihre Songs warm in Waschmaschinen-Hallsound einkuscheln – so wurden einige der besten Platten der späten 80er produziert. Wenn aber das Klanggesuppe nur Ideenlosigkeit und stimmliche Schwächen verdecken soll, muss man warnen! Hier klingt jeder Song gleich. Gleich langweilig. Und trotz Dream-Pop-Gitarren hat das Ganze die Kraft von entkoffeiniertem Milchkaffee. (Markus Wiludda)

Das Tempo, meist verschleppt, viel Hall. Musik zum wohligen Dahindämmern? Manchmal, aber die Gitarren, die eher spitz “Pling” als verschwommen “Swoosh” machen, und die Kälte des Sounds vereiteln somnambule Abflüge. „Violet’s In A Pool”? Fantastisch! Eher shoegazernde (80er-)The Cure mit Peter Hook am Bass als ätherische Cocteau Twins oder eskapistische Slowdive. Nichts Weltbewegendes, aber trotzdem toll. (Mark-Oliver Schröder)

Label: Cooperative

Referenzen: Slowdive, Cocteau Twins, Frankie Rose, Mazzy Star, Asobi Seksu

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VÖ: 19.10.2012

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