Twin ShadowConfess

Als George Lewis Jr. vor zwei Jahren unter dem Pseudonym Twin Shadow sein Debüt-Album „Forget“ veröffentlichte, schien zunächst wenig darauf hinzudeuten, dass man diesen Mann im Gedächtnis behält.

Seine Songs waren ätherische, langsam fließende Electropop-Songs, die sich beim ersten Hören nicht sonderlich aufdrängten. Doch mit der Zeit gewannen die elf Stücke an Profil, „Forget“ mauserte sich auch hierseits zu einem der Highlights des Jahres 2010. Nun legt Lewis nach. Seine zweite Platte hört auf den Titel „Confess“, doch wie ein Eingeständnis klingt das Album nur bedingt.

Den eingeschlagenen Weg verlässt Lewis zwar nicht komplett, doch eine Entwicklung ist ohne Frage zu erkennen. Seine Songs kurven nicht mehr so lebensmüde durch die Gegend, sie klingen nicht mehr wie in einer Lavalampe gefangen. Diese Tatsache kann man nun unterschiedlich interpretieren, für Fans und Freunde des ersten Albums ist das allerdings ein bisschen schade. Der ätherische Sound weicht hier einer 80er-Disco-Ästhethik, auch wenn die Stücke allesamt zu düster und schwer sind, um dazu eine flotte Sohle aufs Pakett zu legen. Zu Stücken wie „Beg For The Night“ fährt man am besten solang durch die Nacht, bis der Tank leer ist oder die Augen zufallen. Mit ungewissem Ausgang, versteht sich.

Die Single „Five Seconds“ ist sicherlich einer der Höhepunkte, gerade weil der Song sich am wenigsten vom Debüt entfernt: Treibende Synthieflächen schweben über dem Boden wie schwerer Nebel, Lewis‘ Gesang klingt gehetzt. Er wirkt wie eine Person, die ganz genau spürt, dass sie sich im Fadenkreuz befindet. Dabei ist eigentlich doch er selber, Lewis, derjenige, der auf der Suche, auf der Jagd ist. Sein Ziel ist das Herz der Angebeteten, doch so ganz klar wird nicht, was er damit vorhat. Auch das folgende „Run My Heart“ gehört zu den stärkeren Tracks auf „Confess“, verbindet Twin Shadow hier doch New Wave, Eighties-Pop und R’n’B auf grandiose Weise. Und wenn wir schon lobhudeln, dann gehört ohne jeden Zweifel auch noch das Smiths’eske „The One“ erwähnt, das im Prinzip eher ein Eigentor ist, als ein Erfolg: Man wünscht sich diesen Song von Morrissey und Marr interpretiert, auch wenn das natürlich niemalsnie passieren wird und per se absoluter Quatsch ist.

Doch neben all diesen starken Momenten weist „Confess“ zu viele Leerstellen auf, um restlos zu überzeugen: In der zweiten Albumhälfte dreht Lewis am Thermostat, es wird zu schwül, die Melodien verpuffen in der stickigen Luft und nur manchmal, wie im ansatzweise tollen „When The Movie’s Over“, blinzelt Lewis’ Genialität durch die dunklen Gläser der Ray-Ban. Doch der Eindruck bleibt: „Confess“ ist der Versuch, neue Möglichkeiten auszuloten, ohne sich selbst zu verleugnen. Dabei geht Lewis schlicht und ergreifend zu wenige Risiken ein, um dauerhaft zu überzeugen. Er möchte es allen Recht machen. Und scheitert damit an unseren Erwartungen.

68

Label: 4AD/Beggars

Referenzen: Cant, How To Dress Well, Active Child, Wild Nothing, Prince, The Smiths

Links: Homepage | Label | Facebook

VÖ: 06.07.2012

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum