Crocodiles begannen ihre Laufbahn namensgetreu. Nicht im Sumpf, wohlgemerkt, sondern wie eine Band, die sich nach dem Debütalbum von Echo & The Bunnymen benannte: Schwarze Lederjacken und Sonnenbrillen tragend, sich im Halbschatten mangelhaft beleuchteter Clubkeller in San Diego suhlend. Doch dem Lockruf der Sonne, der am Ende ihres letzten Albums durchbrach, sind sie nun mit „Endless Flowers“ ins Helle gefolgt.

Programmatisch eröffnet das Titelstück mit einem offensiven Schrammelsound. Irgendwo im Gitarrenschwall sind dezent Synths und Backing Vocals platziert, die ihm einen glammigen Schein verleihen. Noch surfvideo-soundtrackiger ist das folgende „Sunday (Psychic Conversation #9)“, wenn der stets emphatisch intonierende Brandon Welchez wie zur Unterstreichung die „Sun“-Silbe anhebt, auf einer goldigen Welle von effektgestreckten, e-verstärkten Saitenanschlägen reitend, die niemand „lo-fi“ nennen können wird. Zu poliert ist die Abmischung, zu prominent stehen Welchez‘ nicht gerade eitel sonnenscheinige Texte im Vordergrund, zu zahlreich sind die Effekte, wie wenn die Gitarre in „Electric Deathsong“ über die Stereokanäle wandert.

Dass das Kernduo Charles Rowell/Welchez ein gutes Händchen für langvokalige Refrains hat, demonstrieren Crocodiles nach dem 2010er „Hearts Of Love“ auf ihrem pop-appealigen dritten Album noch deutlich häufiger. Auch ist es hocherfreulich, dass sie anders als so viele im Garage-Pop-S(p)ektor nicht nur Strophe und Refrain kennen, sondern ihren Songs auch mal mit einer dazwischen sitzenden Bridge songwriterisch größere Substanz verleihen. Trotzdem offenbaren einige der Stücke mit der Zeit störende Tendenzen zur steifen, uneffektiven Repetition. Viele Refrains oder andere Songteile bestehen nur aus einer etwas zu oft wiedergekäuten Phrase, die dann doch nicht die originellste und melodiös interessanteste ist.

Das zeigt sich umso mehr, je weiter Crocodiles sich von Popsong-Kompaktheit entfernen und mal die Beine baumeln lassen, trotz grundsympathischem Pianohämmern im Hintergrund wirkt das jammige „My Surfing Lucifer“ so unmotiviert. Am schlimmsten jedoch ist die übermäßige Verbreitung von uninspirierter Bimmelperkussion aus Tamburin und Glocken: Hat man sie einmal als störend wahrgenommen, fühlt es sich so an, als wäre alles prominent von ihr überlegt – auch wenn das nur streckenweise auf die Hälfte der Stücke zutrifft.

Dabei wird sie gerade gegen Ende zum originellen Gegenpol, wenn Welchez „Annihilate Me!“ fordert und ihm kitschig süße Schneeglöckchen antworten. Wie die Vogel- und Kirchenaufnahmen im Coda bleibt jedoch das meiste von dem, was Crocodiles‘ Sound langfristig faszinierend machen könnte, nur schmückendes Beiwerk um immerhin gute Schrammelpopsongs.

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Label: Souterrain Transmissions

Referenzen: Gary Glitter, The Velvet Underground, Dum Dum Girls, Echo & The Bunnymen, Suede, Ramones, Bare Mutants

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VÖ: 01.06.2012

Ein Kommentar zu “Crocodiles – Endless Flowers”

  1. […] tolle bis großartige Songs – „Sleep Forever“ von 2010 beispielsweise „Mirrors“, „Endless Flowers“ vom letzten Jahr den Titelsong und „Sunday (Psychic Conversation #9)“ -, aber schaffen es […]

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