Beach HouseBloom

Beach House vor dem Sprung in den endgültigen Konsens. Da schrillen die Alarmglocken oder manch einer winkt gähnend ab. Letztendlich ist aber auch „Bloom“ viel mehr als bloß der wohlklingende Soundtrack zum Soja-Latte.

Was war von einem neuen Beach-House-Album wohl zu erwarten? Seien wir ehrlich, zumindest nichts sonderlich Aufwühlendes. Denn nachdem die Band mit „Teen Dream“ nicht nur ihren endlos melancholiegetränkten Dreampop quasi zur Perfektion getrieben, sondern auch so etwas, was man wohl einen Durchbruch nennen kann geschafft hat, ist der zukünftige Weg der Gruppe eigentlich im Großen und Ganzen abzusehen.

Viele der mehr oder minder inspirierten Nachahmer (wobei Beach House ja selbst nie mehr als Epigonen waren) sind schon wieder halb vergessen, da setzen Victoria Legrand und Alex Scally mit ihrem vierten Album zu dem Sprung an, mit dem sich beispielsweise auch Bon Iver letztes Jahr ins Reich des endgültigen Konsens verabschiedete. Nur ein kompletter Totalausfall oder die komplette Verweigerung seitens der Band könnte diese Entwicklung wohl noch verhindern.

Als distinktionsbemühter Indie-Hansel kann man das den Beiden natürlich nicht wirklich anlasten. Denn zu Schulden kommen lassen haben sie sich in all den Jahren eigentlich nie etwas und auch die musikalische Entwicklung seit dem Debüt lässt sich ihrem Entschleunigungsprinzip entsprechend, wenn überhaupt, nur in Nuancen nachlesen. Ein bisschen gruseln tut es einen dann aber schon vor ehrfürchtig strammstehenden Rezensenten und mehr noch dem Missbrauch als zweckmäßiger („sooo schön!“) Gebrauchsmucke für zweifelhafte Compilations.

Anstatt nun aber in ödes Hipsterbashing einzusteigen (Wer trinkt überhaupt noch Bionade?) wollen wir uns „Bloom“ so unvoreingenommen nähern, wie das von diesem Punkt aus eben möglich ist. Und nein, falsch gemacht haben Beach House auch mit diesem Album definitiv nichts. Noch immer wandeln sie durch verblassende Traumwelten, die diesmal vom Grundton etwas heller erscheinen als noch auf „Teen Dream“. Ob man das nun als Eskapismus oder Nostalgie schlechtheißen möchte, mag jedem selbst überlassen sein. Zu Gute halten muss man der Band aber, dass ihnen das Thema der Vergänglichkeit auch in den rosarotesten Traumnebeln stets im Nacken sitzt. Etwas Unheil schwebt hier immer mit.

Was „Bloom“ jedoch von seinen Vorgängern unterscheidet sind vor allem zwei Dinge. Zum Einen wäre da die stärkere Präsenz von Synthesizern zu Ungunsten der natürlich immer noch herrlich leiernden Unterwasserorgel. Leider hat deren Rauschen und Surren oftmals den unschönen Hang, den bekannten Trademarksound des Duos etwas zu verflachen, die hübschen Wolkenbilder zu dünnem Nebel zu zerstäuben. Zum anderen aber – und das hebt erstgenannten Effekt locker wieder auf – wird „Bloom“ wie kein Beach-House-Album zuvor von dezenten, rhythmischen Elementen bestimmt, die es in ungeahnten Momenten zum Leben erwecken wie ein sanft pochender Puls. Sei es nun die etwas weniger zaghaft touchierte Hi-Hat, die mit Bedacht angeschlagene Bassgitarre oder das blecherne Klopfen im Opener „Myth“, sie alle spielen sich zwar niemals wirklich in den Vordergrund und doch verleihen sie dem Album seine impressionistisch dahingetupfte Kontur, die es zum bisher detail- und kontrastreichsten Langspieler der Gruppe macht. Und Kontrast war nun auch nicht gerade die erste Sache, an die man bei Dreampop bisher für gewöhnlich dachte. Deutlich wird das vor allem beim tänzelnden „New Year“, das für Beach-House-Verhältnisse beinahe etwas zu nah am „Happy Popsong“ gebaut zu sein scheint aber gerade deshalb so grandios funktioniert.

Besser kommt vielleicht nur noch das epische Schlussstück „Irene“, das auf Engelsflügeln und majestetischen Melodiewogen in einen letztlich unheilvollen Schlaf trägt. „It’s a strange paradise“ und niemals bloß die passende Berieselung zum Soja-Latte.

78

Label: Cooperative

Referenzen: Mazzy Star, Galaxie 500, Low, Grizzly Bear, Memoryhouse, Twin Sister, Youth Lagoon, Lower Dens, Real Estate

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VÖ: 11.05.2012

2 Kommentare zu “Beach House – Bloom”

  1. […] Geheimtipp viel zu schade. Stellenweise wirken Peaking Lights dadurch ähnlich abwesend wie auch Beach House, die bisher das Patent auf derart hochwertigen und lethargisch-verträumten Indiepop […]

  2. […] Klänge zusammen und ergänzen Kontext um Kontext. Da gibt es Referenzen zum Dream Pop von jj oder Beach House, Verästelungen zu Chillwave von Tycho, zur reduzierten Ästhetik von The xx oder auch zum modernen […]

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