Die Laubenvögel sind zurück. Mit Naturgewalt. Mit Ursprünglichkeit. Und mit dieser nahezu unwiderstehlichen Melodieseligkeit, die sich auch auf „The Clearing“ über weite Strecken variantenreich entdecken lässt.

Dass die beiden Hauptprotagonisten Beth Tacular und Phil Moore dazu sicherlich wieder einmal den einen oder anderen Waldspaziergang genutzt haben, um sich ganz in ihre kleinen Folk-Kostbarkeiten zu versenken, liegt auf der Hand. Dass allerdings auch eine gewisse unterschwellige Schwermut in die elf Stücke eingezogen ist, wird erst mit mehrmaligem aufmerksamem Zuhören offenbar.

Sicher, da gab es einiges zu verarbeiten, seien es persönliche und musikalische Differenzen der beiden Amerikaner und auch manch Schicksalsschlag, doch will nur bei den wenigsten Stücken die so hinlänglich bekannte Waldschratmelancholie aufkommen. Wenn allerdings das von Ferne hinein gewehte Akkordeon im furiosen „Walk The Furrows“ die klagende Stimme Moores umfängt und eine kleine Heerschar von Streichern zu aufmüpfigem Gitarrenpicking und dem beseelten Hintergrundgesang den Ton angibt, kann sich schon mal der eine oder andere Seufzer in den Abendhimmel erheben. Das mag jetzt beim Lesen ziemlich verkitscht und vor allem klischeebeladen wirken, das darf es aber auch, denn genau aus diesem Zusammenwirken von Kunst und Krempel entwickeln sich auf „The Clearing“ die besten Momente. Etwa wenn die Handclaps bei „Stitch The Hem“ den eigentlichen Song überrollen oder wenn die einleitenden Orgelakkorde und das stakkatohafte Tom-Tom-Geschwurbel dem traurigen „This Year“ einen mysteriösen Anstrich verpassen.

Es ist ein Leichtes, den Songs auf „The Clearing“ einen ebensolchen zu attestieren. Die dunklen Wolken beginnen, sich über die ganze Länge zu verziehen – den hell strahlenden Gesangslinien Moores sei Dank, die selbst in den ruhigen Momenten, welche fast nie die gesamte Dauer eines Stückes einnehmen, ausreichend Strahlkraft verleihen. Unterstützt vom auch von artverwandten Musikern wie Horse Feathers oder Great Lake Swimmers genutzten Setzkasten des Folk (man nehme Akkordeon, Streicher, Bläser, diverse Tasteninstrumente, Harmonie- und Geisterchorgesang und sparsam dosiertes elektronisches Beiwerk, dazu Prisen von seltsamer Perkussion) lassen Bowerbirds vor allem die erste Hälfte des Albums aufblühen.

Im zweiten Teil überrascht vor allem „Hush“, das neben dem erwähnten Sammelsurium an Instrumenten durch seine Nähe zu zugänglicheren Fiery-Furnaces-Titeln auffällt. Es fällt zuweilen jedoch schwer, den darauf folgenden Titeln die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken wie dem mit „Tuck The Darkness In“ und „In The Yard“ ausgezeichnet gelungenen Auftakt, wiederholen sich doch die Muster in den Songs zu offensichtlich. Ein Problem, das gerade in den letzten Jahren bei Folk-Alben keine Seltenheit darstellte. Gut aber, dass die Bowerbirds mit dem an frühere Meisterwerke wie „In Our Talons“ erinnernden Ausklang „Now We Hurry On“ noch mal einen echten Schluß- und Höhepunkt setzen.

Was bleibt? Bowerbirds haben nur wenige neue Zutaten im Gepäck und erschaffen doch einen Klang auf „The Clearing“ der voller, lichtdurchfluteter und vor allem dynamischer ist als auf den Vorgängerwerken. Auch wenn die Gefahr der Abnutzung der sich immer ähnlicher werdenden Songstrukturen gegeben ist, behaupten sich Tacular und Moore im Wald vor lauter Folkern.

70

Label: Dead Oceans

Referenzen: Horse Feathers, Great Lake Swimmers, Bon Iver, Breathe Owl Breathe, Loch Lomond, The Cave Singers

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VÖ: 09.03.2012

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