Manchmal sind 40 Minuten wie ein einziger Tag. Bei den Horse Feathers aus Portland, Oregon ist das so. Justin Ringle und seine Mitstreiter malen nun schon seit drei Alben wunderbare Jahreszeitenbilder. Dieses Mal allerdings nicht mehr dabei: Peter Broderick, seines Zeichens Multiinstrumentalist auf der Kippe zwischen moderner klassischer Musik und einfallsreichem, wenn auch melancholischem Songwritertum.

Auf „Thistled Spring“ ist dadurch vieles anders, auch wenn man es nicht sofort hört. Waren „Words Are Dead“ und „House With No Home“ sehr herbsttonfarben oder winterweiß angehaucht, entströmt „Thistled Spring“ schon im Namen eine wundervolle, knospende Energie, die sich im Laufe des Albums wie ein Frühlingstag langsam entfaltet.

Frühling heißt allerdings auch Abschied, Abschied vom Winter. So ist dann vielleicht auch die anfängliche Abkehr von den eher dunklen, gedämpften Titeln des Vorgängerwerks zu erklären. Es wird zwar immer noch mit der gewissen Portion Melancholie gesungen und musiziert, auch die Stücke tragen nicht gerade Frohsinn verheißende Titel, dennoch ist hier Aufbruch zu neuen Ufern zu erkennen. Das träumische „This Bed“ erklingt als Synonym für eben diese Stimmung. Banjosaiten, mit fröhlicher Gelassenheit gezupft, eingebettet in sacht fließende Streicher, dazu die sich mehr und mehr in den Vordergrund entfaltende Stimme des Sängers, begrüßen den Frühling. Vögel zwitschern, das Licht bricht durch die erblühenden Bäume.

Die Band nimmt schon in den ersten lichtdurchtränkten Songs die neue Marschrichtung auf. Bei „Thistled Spring“ gesellt sich zu Klaviertupfern und Harmoniegesang die hell tönende Klangfarbe von Justin Ringle und im Wechselspiel zwischen lauten und leisen Tönen pirscht sich „Starving Robins“ heran, immer mit dem Schwung tänzerischer Eleganz. Das pendelnde Banjo in „Belly Of June“ begrüßt die gleißende Sonne, fast mit ein wenig zuviel Überschwang, liegt doch der Winter erst so kurz zurück. Man merkt den Musikern in diesem Moment die Leidenschaft an, die sich auch in den folgenden Songs – wenn auch eher düster und geheimnisvoll – ausbreitet, es schimmert aber immer Licht durch die mit vielerlei Instrumenten angereicherten und abwechslungsreich orchestrierten Lieder. „Cascades“ mag da Andenken an Kaminfeuerabende zurücklassen, bei „Vernonia Blues“ rückt hingegen das erzählerische Moment in den Vordergrund, bei dem man meint die hereinbrechende Dunkelheit im Genick zu spüren. Noch deutlicher scheint aber das traurige „Heaven’s No Place“ diese Rückbesinnung auf die dunklere Jahreszeit aufzunehmen. Dieses philosophiert fast schon gefühlstrunken vom Winter und blickt zurück. Nachdenklich wird mit Gitarren und Streichern ein holperiger Klangteppich gewoben, dann kommt der Sänger ein letztes Mal zurück, um sich von Tag und Zeit zu verabschieden: „By winter’s end you may come back to life.“ Ein sehnsuchtsvoller Blick zurück, ein Abschied vom Winter, ein Blick in ein helleres Licht.

74

Label: Kill Rock Stars (Cargo)

Referenzen: Bowerbirds, Justin Vernon, Laura Gibson, Great Lake Swimmers, Jeff Hanson

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 20.04.2010 (US) | 21.05.2010 (DE)

Ein Kommentar zu “Rezension: Horse Feathers – Thistled Spring”

  1. Bastian sagt:

    Oh man, und ich hab wirklich nie gerafft, dass DER Peter Broderick auch dabei ist bzw. war. Da gehen mir einige Lichter auf. Wie umtriebig kann man eigentlich sein.

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