Das Dasein als „Zweite Reihe“-Band ist gewiss kein einfaches. Da spielt man sich Jahr für Jahr auf den undankbaren Nachmittags-Slots der Sommerfestivals den Arsch ab und erntet dafür trotzdem nicht mal ansatzweise die Aufmerksamkeit, die sagen wir mal ein Zach Condon oder Conor Oberst schon mit ein paar abgesagten Gigs generieren kann. Die Schweden von Golden Kanine, deren tolles zweites Album „Oh Woe!“ in der Veröffentlichungsflut dieses Frühjahrs, man muss es wohl so sagen, leider ziemlich unterging, können ein Liedchen davon singen. Und so lässt sich dann auch nicht ganz genau sagen, ob man ihnen zum Support-Engagement der aktuellen Mando-Diao-Tour nun gratulieren oder doch besser Mitleid spenden sollte.

Definitiv glücklich schätzen können sich die Fünf allerdings darüber, mit Glitterhouse eines der fürsorglichsten Labels überhaupt im Rücken zu haben, das sich in seiner traditionsreichen Geschichte nicht selten durch die Veröffentlichung allgemein unterschätzter, aber dennoch absolut essenzieller Perlen verdient gemacht hat. Die Beverunger scheinen von ihrer jüngsten Entdeckung sogar dermaßen überzeugt, dass sie nach „Oh Woe!“ auch noch Golden Kanines 2009 in Kleinstauflage erschienenem Debütalbum „Scissors And Happiness“ eine verdiente Wiederveröffentlichung spendieren.

Und was soll man sagen, alles was die Band heute ausmacht war auch vor rund zwei Jahren schon im Übermaß vorhanden. Zwar dürften Madonlinen, Trompeten, Posaunen und Geigen im Indiefolk-Gewand schon damals niemand mehr so wirklich vor Überraschung aus den Socken gehauen haben, zusammen mit alkoholgetränkter Schwermut und größtenteils erstklassigem Songwriting ist dieser Aufbau aber auch heute immer noch eine sichere Bank. „Scissors And Happiness“ scheint zwar nicht ganz so düster und zusammenhängend wie sein diesjähriger Nachfolger, hat aber bisweilen die besseren Einzelsongs zu bieten. Das gilt besonders für die beiden titelgebenden Lieder, „Scissors“ und „Happiness“, die sich nicht nur aufgrund ihrer zentralen Position als Herzstücke des Albums erweisen. Während ersteres auf einleuchtende Weise Modest-Mouse-Gitarren mit traurigen Bläsern zu einem klaustrophobischen, kleinen Hit kombiniert, packt zweiteres die Mandoline aus um mit stampfendem Schlagwerk und Posaunen in einem balkanisierten Trauermarsch zu enden, wie ihn auch Beirut nicht besser hinbekommen hätten.

Wer also noch einen Soundtrack für die nächste Herbstdepression sucht und wem Get Well Soon zu schnöselig und Mumford & Sons schlichtweg zu platt sind, dem sei hiermit auch das Debütalbum von Golden Kanine schwerstens ans Herz gelegt. Für das Vorprogramm in die Tage gekommener, halbstarker Indie-Boygroups ist diese Musik nämlich nach wie vor viel zu schade.

71

Label: Glitterhouse

Referenzen: Beirut, Neutral Milk Hotel, Modest Mouse, Get Well Soon, Mumford & Sons, 16 Horsepower

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VÖ: 07.10.2011

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