Zola JesusConatus

Wie klingt die Welt nach der persönlichen Apokalypse, und wie nach der globalen? Seit drei Jahren schon arbeitet die Musik von Zola Jesus daran, beides zu beantworten, nach „The Spoils“ und „Stridulum II“ stand nun aber vielmehr die Frage im Raum, wohin sie sich auf ihrem dritten Album entwickeln würde: Weiter zum großformatigen Popdrama, oder vielleicht doch wieder in abwegigere Gefilde wie ihre noisige Kollaboration mit L.A. Vampires.

Klanglich ist „Conatus“ eine klare Fortführung des „Stridulum“-Sounds, Nika Roza Danilova hat Beats und Synths weiter verfeinert und poliert, dazu augmentieren Streicher oder gleich zu Beginn glitchig umherflitterndes Elektroknarzen die Klangwelt. Zwischen deren Konstruktion und ihrer Songkomposition ist Danilova leider des Öfteren auf halber Strecke hängen geblieben, gerade in der ersten Albumhälfte führt die abgemilderte Produktion zu dramatisch reservierten Stücken, die melodisch, atmosphärisch und rhythmisch auf keiner Ebene so ganz überzeugen. Das wuchtig betrommelte „Avalanche“ oder das zunehmend aufleuchtende „Hikikomori“ beschwören bildgewaltige Soundscapes herauf, in „Vessel“ hingegen zeigt Danilovas Stimmorgan Dauerpräsenz und ist in seinen Abhebemomenten wie auch im Hintergrund heulend eindrucksvoll wie eh und je. Doch ohne einen Song vom Format „Night“ oder „I Can’t Stand“ dazwischen schwindet die Wirkung aller drei auf Dauer.

Mit dem zwei Finger weit von Cold Cave entfernten Synthpop von „Seekir“ tritt aber enorme Besserung ein, eine bunt-belebte Tastenmelodie sorgt schon fast für Todesdisco-Stimmung. „In Your Nature“ baut auf Danilovas stärkstem Songwriting des Albums, nur umso schöner vom Geigenarrangement unterstrichen. Lediglich die Beats auf „Shivers“ erdrücken noch, ansonsten ist „Conatus“ eines der seltenen Alben, deren zweite Hälfte der ersten deutlich überlegen ist. Derartiges Ungleichgewicht auszubalancieren wird Danilova noch Gelegenheit genug haben, denn, wie man nun auch schon seit drei Jahren bei jeder Gelegenheit lesen muss: Sie ist ja noch jung.

68

Label: Souterrain Transmissions

Referenzen: These New Puritans, Chelsea Wolfe, L.A. Vampires, Siouxsie, Prurient, Burial Hex

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VÖ: 30.09.2011

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