Mal vorneweg, Chillwave finde ich persönlich, jedenfalls dem musikalischen Ergebnis nach zu urteilen, in fast allen Fällen eher mäßig spannend. Zwischen Lomo- und cheesy Softpornoästhetik ist mir da, egal ob jetzt bei Toro Y Moi oder Washed Out, einfach zuviel konturloses Gewaber und zuwenig Song. Doch weil Ausnahmen bekanntermaßen die Regel bestätigen, wollen wir uns nun trotz allem Dayve Hawk und seinem Alias Memory Tapes widmen, dessen vorzügliches Debütalbum „Seek Magic“ ich an dieser Stelle schon vor knapp zwei Jahren lobend erwähnte, als der immer noch ziemlich ulkige Begriff „Chillwave“ noch nicht allzu lange geboren war.

Schon damals schaffte Hawk es, seinem einigermaßen eigenständigen Dreampop-Gemisch aus verwehten Shoegaze-Verweisen und Synthienebel durch beschwingte, ja fast tanzbare Elektropop-Melodien Leben einzuhauchen. Ein Kunstgriff, den er den meisten seiner Kollegen bis heute voraus hat und der zu großen Teilen auch das nun erschienene zweite Memory-Tapes-Album „Player Piano“ ausmacht. Wieder einmal oszilliert die Musik hier zwischen verhangenen Synthieschwaden und sommerlichen Popmelodien mit allerhand spielerischen Einlagen, von synthetischen Streichern bis zum Glockenspiel. Zusammengehalten wird das Ganze durch Hawks freundlichen aber immer etwas abwesenden Gesang, der den Songs ihre vertraute Herzlichkeit verpasst. Stücke wie „Today Is Our Life“ beschwören sanfte Euphorie, Handclaps und verdaddelte Gitarreneinlagen, während das grandiose „Yes I Know“ (man beachte bitte auch das vielleicht noch grandiosere Video) als Hymne des sich Auflösens den geeigneten Kontrapunkt setzt. Immer wieder erheben sich mal majestätisch schwere, mal tänzelnd leichte Melodien aus dem Wolkenmeer dieses Albums und lassen den vorher grauen Himmel psychedelisch schimmern.

Im Grunde bleibt also alles beim Alten im Reich der Memory Tapes, denn auch die Schwachstellen des Vorgängers wurden auf „Player Piano“, obwohl es insgesamt kohärenter wirkt, weitgehend übernommen. Da wären zum Einen die leichten Durchhänger und Belanglosigkeiten, die den insgesamt äußerst gelungenen Gesamteindruck etwas trüben und zum Anderen der verwehte zeitgeistige Gestus, der Hawks Zweitwerk zwar zu einem ziemlich kurzweiligen aber nicht unbedingt nachhaltigen Vergnügen macht. So ragen diese Memory Tapes zwar wieder einmal angenehm melodieseelig aus dem sonstigen Chillwave-Einerlei heraus, zum großen Wurf reicht es nicht nur aufgrund des Schicksals der Zweitgeburt aber auch diesmal nicht.

73

Label: Something In Construction

Referenzen: ceo, Air France, Washed Out, Toro Y Moi, jj, M83

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VÖ: 15.07.2011

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