Ernest Greene hat sich ziemlich viel Zeit gelassen. Sein Debütalbum „Within And Without“ erscheint zwei Jahre, nachdem er vom großen Hype in die Hipster-Blogs gespült wurde. Bislang veröffentlichte er einige Extended Plays, die seinen Status als freshen Bedroom-Recorder festigten. Seine Musik lässt sich am besten mit “traumwandlerischer Lo-Fi-Elektro” beschreiben, wenn man sie denn überhaupt in eine Kategorie packen möchte. Wobei man erwähnen sollte, dass das Cover auf die falsche Fährte lockt! Leidenschaftlich, sexy, aufreibend: All das ist diese Platte nicht. Eher ziehen die neun Stücke das Bettlaken über den Kopf und werfen wild mit Kopfkissen umher.

Dabei pendeln die Songs zwischen tatsächlich schläfrig und herrlich aufgeweckt. Der tolle Opener „Eyes Be Closed“ entführt in eine Parallelwelt aus Paraffin, auf diesem Stück spielt Greene Dreampop mit den Mitteln elektronischer Musik. Rauschend, berauschend zieht der Song seine Bahnen, baut nach dreieinhalb Minuten dann doch so etwas ähnliches wie Spannung auf. „Amor Fati“ drückt mit seinen juicy Beats eine unheimlich positive Stimmung aus, kitzelt auf der Haut wie die ersten Sonnenstrahlen des Jahres und hallt noch lange weiter nach. „Soft“ ist hingegen etwas introvertierter, stampft sich selbst in tiefste Hypnose, wohin der Hörer willenlos folgt.

Sehr schön auf der Klaviatur der großen Gefühle spielt das verhalten beginnende „Far Away“, das in seiner sympathisch-verspulten Betulichkeit an das hervorragende Twin Shadow-Album erinnert. Mit Liebeskummer- und Sehnsuchtslyrics trifft Greene hier sogar mal ins Herz. Die zweite Albumhälfte hingegen ist per se etwas lethargischer, weniger ausgereift und wirkt nach der starken ersten Hälfte ein wenig ziellos. Wobei das pathetische „A Dedication“ als würdiger Abschluss durchaus zu überzeugen weiß.

Nach seinen konstant tollen EPs ist Washed Out mit „Within And Without“ ein gutes, jedoch kein überragendes Debüt gelungen. Ähnlich wie bei Neon Indian oder Toro Y Moi verliert der eigentlich vibrierende, smarte Sound auf ganzer Albumlänge an Durchschlagskraft und wirkt nicht ganz ausgeschlafen. Das ist nicht weiter schlimm, kommt ja in den besten Familien vor. „Within And Without“ ist letzten Endes ein sympathisches Album, so schüchtern und scheu es sich auch manchmal gibt.

70

Label: Domino

Referenzen: Toro Y Moi, Memory Tapes, Ford & Lopatin, Wild Nothing, Small Black, Neon Indian

Links: Albumstream | Myspace | Facebook

VÖ: 08.07.2011

4 Kommentare zu “Washed Out – Within And Without”

  1. dominik sagt:

    also mir gefällt die platte mehr als nur gut!

  2. Tobi sagt:

    also ich find die Platte auch richtig gut :)

  3. glueck sagt:

    same here ;)

  4. Markus sagt:

    Die AUFTOUREN-Redaktion war zwiegespalten. Einige fanden das zu sehr einlullend und belanglos (weil inzwischen vom Sound her sehr verbreitet), andere erfreuten sich an der sympathischen Eingängigkeit. Letztlich ist es mit 70% ja auch eine sehr gute Wertung geworden.

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