Gang Gang Dance in Berlin: Space Jam

Gang Gang Dance live zu erleben, das ist eine Gelegenheit, die sich nicht oft bietet. Nicht genug, dass das Quartett seine Auftritte so global wie spärlich verteilt, auch wurde die letzte Europatour nach einem Brand in Amsterdam abgebrochen, so dass am 21.05. im Berliner Hebbel Am Ufer das erste GGD-Konzert auf deutschem Boden seit 2008 stattfand. So war der 500 Menschen fassende Saal, dessen hintere zwei Drittel eine aufsteigende Tribüne füllt, denn auch ausverkauft – und sollte am Ende beben.

Sleepy Doug Shaw alias Highlife lieferte eine für einige ZuschauerInnen zu unaufgeregte Einstimmung mit seinem afrikanische Einflüsse aufgreifenden Gitarrenspiel, dessen sanft verkreuzte Tropenpsychedelik auch ein gutes Stück an Animal Collective zu Sung-Tongs-Zeiten erinnert. Auch wenn er die Bühne nach einer unverständlich verhallten finalen Ansage fast unbemerkt verließ, allzu lange blieb er nicht fort. Denn ähnlich wie beim Auftritt im Kölner Stadtgarten vor drei Jahren, als Sadie Laska (Growing/I.U.D.) ein Extra-Perkussionsset befeuerte, wurde der Bandkern von Gang Gang Dance auch bei diesem Liveauftritt um zwei Akteure aus ihrem künstlerischen Umfeld erweitert.

Der eine war Shaw selbst, er groovte vor allem am Viersaiter und griff ab und an zum Drumstick. Nach ein paar Minuten trat durch die Nebelschwaden dann auch Taka Imamura, der „spirituelle Berater“ der New Yorker, der live als Fahnenstab schwenkender Hype Man beschwörend umhertanzte. Ähnlich new agig gestaltete sich die Projektion über der Bühne, zwei ineinander geschachtelte Dreiecke, zwischen denen die Worte „Positive Energy“ stehen. Ein Motiv, das auch auf der vierten Schallplattenseite von „Eye Contact“ prangt. Und Worte, die in Effekt gesetzt wurden. Die Gesänge der strahlend gut gelaunten Lizzi Bougatsos waren dabei kaum verständlich, umso körperlicher fühlbar aber die monströs wabernden Bässe, die sämtliche Körperzellen durchdrangen.

Durch improvisiertes Dehnen verschiedener Passagen und Änderungen im Sounddesign klangen die Stücke des neuen Albums merklich anders – nicht immer besser, so vermisste man ein paar belebend irrsinnige Synth-Sounds. Doch wie schon zwei Tage zuvor bei Animal Collective war dies ohnehin kein routinierter Showcase bekannter Werke, der Großteil des Sets bestand aus gänzlich neuem Material. Erfreulicherweise war es gerade ein langer Instrumentaljam darunter, der richtig den Tanzdamm des Publikums brach, animiert von Bougatsos und Imamura, die minutenlang in der Menge zelebrierten. Gerade live wurde auch deutlich, dass Gang Gang Dance nicht nur wahllos Dance-Elemente in ihr glanzvolles Soundgemisch absorbieren, sondern sich genau deren Stärken und Wirkung bewusst sind.

So transportierten sie die Midtempo-Körperfühligkeit des R&B genauso effektiv wie meditative Space-Jams, welche die Übergänge der ununterbrochen ineinander fließenden Stücke bildeten. Vor allem aber beherrschten sie den Spannungsaufbau des Rave, die zunehmend druckvollen Kosmos-Clubhits zogen dabei immer wieder dicht an, trieben unter Verdichtung melodischer, textureller und rhythmischer Elemente eine tanzende Masse zu frenetischerer Bewegung, die sich bis zur – mitunter mehrfachen – euphorischen Entladung intensivierte, so dass der abschließende Höhepunkt auch der Zenit war. Oder zumindest schien, zu zwei Zugaben forderte die Menge sie so heftig auf die Bühne zurück, dass vor lauter Klatschen und Stampfen der Saal bebte. Beides hörte ein paar Momente nach den letzten Echos von „Vacuum“ auf, doch die Energie dieses Abends, die hielt noch den ganzen Weg von Berlin zurück an. Mindestens.

2 Kommentare zu “Gang Gang Dance in Berlin: Space Jam”

  1. […] die zu Recht die höchste Punktzahl seit Merriweather Post Pavilion einheimsen konnten und uns live erst recht nicht unbewegt […]

  2. […] Jahreswertung auf diesen Seiten verantwortlich ist und zugleich bereits im Frühling in Berlin bei einem ihrer hierzulande raren Space-Jam-Auftritte für einen der eindrucksvollsten Live-Momente des Jahres gesorgt […]

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