Dominik Eulberg – Diorama

Im merkwürdigen, weiten Feld irgendwo zwischen Techno und Naturromantik tat sich neben unserem letztjährigen Liebling Hendrik Weber alias Pantha du Prince auch Dominik Eulberg immer wieder besonders hervor. Der studierte Biologe und Geograph benennt seine Tracks nach seltenen und äußerst seltsamen Tieren, wie dem Neunauge oder der Islandmuschel, dankt im Booklet seines neuesten Albums „Diorama“ dem NABU und tut auch sonst alles mögliche, um im eher urban konnotierten Techno-Geschäft als komischer Kauz rüberzukommen. Anders als sein Kollege Weber, der sich mit „Black Noise“ weit über die Grenzen repetiver, elektronischer Musik hinauswagte, steht Eulberg als einstiger Schützling Sven Väths dabei allerdings immer noch mit einem Bein im Club.

So ist auch „Diorama“ wieder ein atmosphärisches, aber letzten Endes doch ziemlich funktionelles Techno-Album geworden, auf dem die plätschernden Gebirgsbäche und tief hängenden Glockenwolken die druckvoll pumpende, gerade Bassdrum nur selten übertönen. Hier wird zwar niemand gleich laut Meisterwerk schreien und es gibt auch keine genresprengende Kollaboration mit Panda Bear. Innerhalb bewährter Grenzen malt Eulberg jedoch ein wunderschön impressionistisches Gesamtbild, das in puncto Detailverliebtheit und Kohärenz genreweit seinesgleichen sucht. Sollte man also vorhaben, sich im ersten Halbjahr 2011 nur ein einziges Techno-Album zuzulegen, könnte man mit diesem pittoresk verträumten aber dennoch tiefenscharfen „Diorama“ sehr, sehr glücklich werden. (Bastian Heider)

Referenzen: Pantha du Prince, Kollektiv Turmstraße, Trentemøller, Sascha Funke, Nathan Fake

VÖ: 13.05.2011 | Label: Traum Schallplatten | Links: Albumstream / Homepage / MySpace

Friendly Fires - Pala

Erinnert sich noch jemand an das Yps-Heft? An die mehr sinnlosen als gewinnbringenden Gimmicks wie Solarluftballon, Urzeitkrebse, Klebehand und Survival-Zelt? Und dann gab es da noch diesen Schleim, in leuchtender violetter Farbe. Schnell im Wasserbecher des Farbmalkastens anrühren, gespannt beobachten, wie Pulver endlich zu Masse wird und dann… Ja und dann? Friendly Fires haben mit ihrem Zweitwerk „Pala“ diesen Schleim in Musik verwandelt. Glitschig, undefiniert, formlos… und irgendwie auch ein wenig violett. Mit Pulver und Wasser als Zutaten ist es hier aber nicht getan. Eine Prise waviges Gespule, 10 Esslöffel Pathos, zwei geraspelte Tanzbeine und das Ganze dann unter Zugabe von drei Bechern Bombast kräftig verrühren. Mit etwas Glück bilden sich als Sediment zwei bis drei brauchbare Hits, der Rest zerläuft dann langsam zwischen den Fingern.

Doch hatten wir nicht alle unseren kurzweiligen Spaß mit dem Yps-Schleim, bis sich die kindliche Seele dann etwas verspätet über die fehlende Nachhaltigkeit der seltsamen Substanz bewusst wurde? Und violett macht sich ja für den Herren neuerdings auch wieder ganz hip. Aber mal im Ernst: Welche anderen Anforderungen hatte man auch schließlich an das Yps-Heft als lediglich für kurze Zeit vom Ernst des Lebens abgelenkt zu werden? In diesem Sinne macht vielleicht auch „Pala“ als Gimmick für den stets gehobenen musikbeflissenen Zeigefinger ein wenig Sinn. (Florian Sekula)

Referenzen: Delphic, Cut Copy, Foals, Miike Snow, !!!

VÖ: 13.05.2011 | Label: Xl/Beggars Group | Links: Albumstream / Homepage / Facebook

3 Kommentare zu “Gehacktes! Aktuelle Alben im Schnellcheck”

  1. Lennart sagt:

    bäh… dieses bild für den artikel, also, auf der startseite… herrje. das hätten aber auch nur die friendly fires verdient, herr eulberg nicht, nein.

  2. Ich finde das Bild auch gemein, krieg immer Hunger davon.

    D’accord bei Eulberg, sehr tolles Album. Nur aufgepasst bei der Vinyl-Version, da ist die Trackreihenfolge anders und die für den Albumfluss wichtigen Stücke an Anfang und Ende fehlen.

  3. Bastian sagt:

    Musste ich vor kurzem auch feststellen. Frechheit!

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum