Ein Rockfest: ...Trail Of Dead, Rival Schools & Asobi Seksu

Draußen prasselt der Regen mit stoischer Unaufhaltsamkeit auf die Straßen Münchens. Ohne warme Kleidung ist man beinhahe verloren, der April zeigt uns seine kalte Schulter. Für den Abend haben sich glücklicherweise drei hitzige Bands angekündigt: …And You Will Know Us By The Trail Of Dead schlagen ihre Zelte in der Muffathalle auf und bringen als Support-Acts Asobi Seksu und Rival Schools mit. Ein Line-Up, das vor allem eins verspricht: Lautstärke. Und diese soll heute in diversen Formen dargeboten werden: Asobi Seksu spielen seit jeher noisigen Shoegaze, Rival Schools mischen neuerdings Post-Hardcore mit Power-Pop und …Trail Of Dead sind …Trail Of Dead, die wohl wahnwitzigste Rockband auf diesem Planeten. Sagt man sich.

Mit tief wummerndem Bass eröffnen die amerikanisch-japanischen Asobi Seksu das Frühlingsfest der Noise-Musik: Was auf Platte nicht immer funktioniert, klingt live mindestens interessant, wenn nicht sogar bemerkenswert. Mit meditativer Grazie thront die Stimme Yuki Chikudates auf dem wackligen Krachgerüst aus Gitarre, Bass, Drums und Keyboard und vollführt in einer Tour waghalsige Drahtseilakte zwischen Schönheit und Absurdität.

Eine ganz andere Bühnenpräsenz zeigen danach Rival Schools, die zehn Jahre nach ihrem gefeierten Debüt „United By Fate“ 2011 endlich wieder zurück sind. Was sich auf ihrem neuen Album „Pedals“ bereits andeutete, wird live zu einem wahren Statement: Walter Schreifels und Co. spielen nun vermehrt mit poppigeren Strukturen, scheuen auch nicht große Refrains. So eröffnet passenderweise „Wring It Out“ das gut durchdachte Live-Set der New Yorker. Was sofort klar wird: Walter Schreifels ist ein unfassbar sympathischer Mensch, der mit Hingebung Luftsprünge zelebriert und seine Stücke mit großer Spielfreude vorträgt. So springt dann auch der Funke aufs Publikum über, das sich insbesondere an den Klassikern sichtlich erfreut. Viele sind heute wegen Rival Schools anwesend, Quicksand- oder Rival-Schools-Bandshirts sind deutlich in der Überzahl und markieren folglich, wer heute der heimliche Headliner sein wird. Ihr Set besteht zu gleichen Teilen aus Stücken der beiden Alben, größere Überraschungen gibt es keine. Besonders bemerkenswert gerät „Undercovers On“, dieser fast sechsminütige Schleicher, der eine wunderbare Atmosphäre schafft. „69 Guns“ hingegen erinnert auch live etwas an Maritime, ist ein tanzbarer Indiepop-Song, den Schreifels mit einem verschmitzten Lächeln interpretiert. Zum Abschluss spielen die vier New Yorker ihren bislang größten Hit „Used For Glue“: Die gleißende Gitarre Ian Loves flankiert den sehnenden Gesang Schreifels’, Teile des größtenteils männlichen, bärtigen und brilletragenden Publikums zeigen sich sentimental. Hoffentlich dauert es bis zum nächsten Album nicht wieder ein Jahrzehnt.

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead betreten zur maximal-theatralischen Ouvertüre „Ode To Isis” die Bühne. Die zum Quartett gesundgeschrumpfte Band ist komplett in schwarz gekleidet und begrüßt das Publikum freundlich, aber zurückhaltend. Dass sich Jason Reece, Conrad Keely und co. trotzdem über alle Maße dem Größenwahnsinn hingeben, wird mit dem ersten „Song“ klar: Sie eröffnen ihr Live-Set mit „Strange News From Another Planet“, diesem Opus Magnum, bestehend aus fünf Kapiteln. Mit eruptiver Wucht changieren die vier Musiker zwischen hochmelodischen Zwischenrefrains und muckerhaften Abfahrten, Zeit und Luft zum Atmen bleibt kaum. Als Eröffnungstrack eine sechzehnminütige Berg- und Talfahrt – das muss man sich auch erst mal rausnehmen. Es folgen mit „Summer Of All Dead Souls“ und „Ebb Away“ zwei melodische Hymnen, ebenfalls vom neuen Album „Tao Of The Dead“. Die beiden Leitwölfe Keely und Reece wechseln sich wie gewohnt am Mikrofon ab, was freilich für Abwechslung sorgt.

Nach der Darbietung der aktuellen Stücke intonieren …And You Will Know Us By The Trail Of Dead ihre größten „Hits“, wenn man Stücke wie „Caterwaul“ oder „Relative Ways“ mit einem so profanen Label katalogisieren möchte. Der Jubel hätte größer nicht sein können, „Will You Smile Again?“ wird frenetisch gefeiert. Die Interaktion mit dem Publikum wird auf ein Mindestmaß reduziert, was aber im Falle dieser Band weniger tragisch erscheint, schließlich haftet ihnen stets eine unnahbare, unberechenbare Aura an, die sie mit leidlich kumpelhaften Ansagen ruinieren würden.

Zum Ende hin wird erneut fleißig Öl ins Feuer gekippt. Der Platz hinter den Drums wird beständig gewechselt, Noise-Eskapaden werden bis zur Ekstase ausgereizt, hingebungsvoll und energetisch streckt das Quartett seine Songs mit gewaltigen Instrumentalpassagen. Post-Rock, Post-Hardcore, Post-Everything. Das Set endet mit Stücken aus der Frühphase der Band: Zu „Fake Fake Eyes“ vom Debüt verschwindet Jason Reece leise nuschelnd in der Menge, nur um kurz darauf in einem Tobsuchtsanfall mitten im Publikum einen Moshpit zu eröffnen. „A Perfect Teenhood“ gerät zu einem pulsierenden Hardcorespektakel par excellence. Wer an diesem Abend was anderes von …Trail Of Dead erwartet hat als pure Energie – beispielsweise melodische Gassenhauer wie „Worlds Apart“ oder „Eight Days Of Hell“ – wird bitterlich enttäuscht. Allen anderen bricht „How Near How Far“ nochmal genüsslich das Genick: How near, how far, how lost they are. Und zufrieden wankt man im Aprilregen in Richtung Heimat.

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