Asobi Seksu wurden nicht nur eine Zeit lang als lauteste Band New Yorks gehandelt, sondern schufen mit „Citrus“ auch eines der schönsten Shoegaze/Dreampop-Alben der letzten Jahre. Warum der Nachfolger „Hush“ dagegen abfiel, war nicht ganz klar: Lag die Ursache darin, dass die berauschenden Gitarrenwände hier einem synthlastigeren, weniger rockigen Klang gewichen waren, der in seiner Glöckchenverhangenheit aber immerhin höchst weihnachtskompatibel war? Oder waren einfach nur die Songs schwächer als zuvor – schließlich wird gerade Shoegaze-Bands von Anbeginn der Genremünzung böse nachgeredet, mangelhaftes Songwriting mit eindrucksvollen Soundeffekten kaschieren zu wollen.
Das neue Werk „Fluorescence“ gibt nun beste Gelegenheit zum Vergleich, denn wie die feine Single „Trails“ es schon andeutete: Die Effektpedale sind ausgemottet und aufgedreht worden, Yuki Chikudates twee-süße Gesänge sind in hallende Shoegaze-Schichten eingebettet, ohne die das das schlanke Lament „My Baby“ glatt wie ein Überbleibsel vom Vorgängerwerk „Fluorescence“ wirkt – bis der Song unter beschäftigtem Drumming steil anzieht und in einem druckvollen Verzerrerfest gipfelt. Synthesizer verleiht besonders der zweiten Albumhälfte, z.B. „Deep Weird Sleep“ oder „Ocean“ einen eleganten Glanz, gegen den allerdings die dünnen, wankelmütigen Stimmen von Chikudate und Gitarrist James Hanna umso unangenehmer auffallen. Merkwürdig, schließlich war dies in der Vergangenheit weniger stark bemerkbar, aber selbst wenn – was auf „Citrus“ deutlich öfter geschah – mehrere Gesangsspuren im Studio zusammengefügt wurden wirkt der Gesang schon wackelig bevor es in schwierigere Falsetthöhen geht.
Dass „Fluorescence“ über die gesamte Spielzeit nicht so recht überzeugen mag rührt aber vor allem daher, dass es bei Asobi Seksu nicht bloß ums Klangkleid geht. Die Stärke von „Citrus“ waren eben im Kern eingängige, klar strukturierte Popsongs deren Schönheit durch wuchtige Dynamiken und dichte Texturen nur noch intensiviert wurde. Auch die prachtvollste Klangwand kann es nicht ändern, dass die meisten Songs diesmal nur „nett“ ausgefallen sind.
Label: Polyvinyl
Referenzen: A Sunny Day In Glasgow, Ulrich Schnauss, Blonde Redhead, Slowdive, The Pains Of Being Pure At Heart