StarsThe Five Ghosts

Torquil Campbell, Amy Millan und Co. sind nun auch schon Mitte 30, aber sie werden auf ewig jugendlich bleiben. Sie wissen bestens Bescheid über die Herzensangelegenheiten des Lebens, sind abgeklärt und weise, aber sie haben nicht vergessen, wie es sich anfühlt ein Teenager zu sein, der an gebrochenem Herzen leidet. Die kleinen Momente des Lebens reichen ihnen seit jeher aus, um große Luftschlösser damit zu bauen. Das brechende Herz wird so lange zum poetischen, schicksalhaften Ereignis aufgebauscht, bis daraus ein bittersüßer, triumphaler Kino-Höhepunkt geworden ist. Auf „The Five Ghosts“, ihrem mittlerweile fünften Studioalbum, legen die Kanadier mal eine Pause ein, Songs für dich und mich und den Kinofilm unseres Lebens zu schreiben. Stattdessen haben sie eine Songsammlung zusammen geklöppelt, die vortrefflich geeignet ist, um das Leben von Grey’s-Anatomy-Charakteren zu beschallen – lau, oberflächlich und schnell wieder vergessen.

Dabei ist auf den ersten Höreindruck alles beim Alten: Mit etwas mehr Augenmerk auf Elektronik und 80s-Synthies als sonst sprudeln typische glitzernde Stars-Melodien aus den Songs – pompöser Power-Pop mit der Lizenz zum melancholisch sein. Doch schon bald stellt sich eine seltsame Schläfrigkeit und Monotonie ein. Nicht dass die Songs alle gleich klingen würden, doch sie geben nur selten eine glaubhafte, packende Gefühlsregung von sich. Gleichen Stars-Alben in der Regel einem bunten Strauß Indie-Pop, der gekonnt die Emotionsklaviatur auf und ab spielt, hüllt sich „The Five Ghosts“ in ein tristes, lebloses Grau in Grau. Zum ersten Mal in ihrer Karriere klingen die Kanadier billig, plump und müde. Ein Schuldiger ist schnell gefunden: Wer zur Hölle hat diese Produktion abgesegnet?

Die Single „Fixed“ steht symptomatisch für ein Album, das seinen Kram in Sachen Songwriting beisammen hat, aber niemals die Möglichkeit erhält, sich in vollem Maße zu entfalten. Etwaige Bemühungen dem Song einen sanften Schubs Richtung Shoegaze zu geben, werden von der sterilen Produktion platt gewalzt, die nichts und niemandem erlaubt, mal ordentlich zuzupacken und den Songs echtes Leben einzuhauchen. Die instrumentelle Vielfalt wird so sehr zusammen gepresst und weich gespült bis wenig mehr übrig bleibt als ein plastischer Klangbrei, über dem die Stimmen der beiden Sänger ausgebreitet werden. Viele Songs auf „The Five Ghosts“ stemmen sich auf, verenden aber schlussendlich doch an akuter klanglicher Emotionslosigkeit, etwa der Opener „Dead Hearts“, der nach Katharsis sucht, aber nur einen Synthie-Furz findet.

Selten machen die Songs dann doch noch das Beste aus den gegebenen Umständen, ein einziger schwingt sich gar in die Riege der schönsten Stars-Momente auf. „Changes“ bekommt ein glitzerndes 80s-Kleidchen, das sich von der Produktion nicht weiter stören lässt und schwoft majestätisch über seinen ¾-Takt, während Amy Millan eine ihrer besten Gesangsleistungen präsentiert. Ohnehin ist es diesmal Millan, die durch die Bank für die besseren Momente zuständig ist. Einnehmend schmachtet sie sich durch den soliden Power-Pop von „Wasted Daylight“ und „How Much More“ und zieht „We Don’t Want Your Body“ oder „The Passenger“ rechtzeitig zum Refrain aus dem schläfrigen Synthie-Klangsumpf. Der Rest stört nicht, meckert nicht, ist einfach nur da. Man kann die Songs für ihre melodische Anmut schätzen, mitsummen und sie bedenkenlos im Hintergrund laufen lassen, doch vom Herzen brechen und wieder zusammen flicken wie es „Set Yourself on Fire“ getan hat, sind sie weit entfernt. Meredith Grey wird das Album mögen.

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Label: Vagrant | Alive

Referenzen: Rilo Kiley, The New Pornographers, Metric, The Weakerthans, Death Cab for Cutie, Prefab Sprout, The Cardigans

Links: Homepage | MySpace

VÖ: 25.06.2010

3 Kommentare zu “Rezension: Stars – The Five Ghosts”

  1. dominik sagt:

    ich bin ja ein fan dieser band, aber seit ihrer letzten platte „In Our Bedroom After The War“ musste ich feststellen das es eben nur noch eine handvoll guter songs auf ein album schaffen. dieser eindruck hat sich mit der neuen platte leider bestätigt. ich möchte gar nicht sagen das „The Five Ghost“ ein schlechtes album ist, aber wenn unterm strich nur noch 2-3 gute songs herauskommen ist das doch ein bisschen wenig. „Dead Hearts“, „Wasted Daylight“ und „Changes“ find ich noch am besten, der rest klingt auch für mich einfach zu belanglos… da hör ich mir dann doch lieber wieder die „Set Yourself On Fire“ an!

  2. Bastian sagt:

    In Our Bedroom After The War fand ich eigentlich uneingeschränkt super, das hier leider ganz und gar nicht.

  3. Mochte die letzte auch nur ca. zur Hälfte, die hier fällt für mich völlig flach. Völlige Zustimmung hinsichtlich der platten Produktion, raubt selbst den potentiell guten Songs jegliches Leben.

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