Betrachtet man die US-amerikanische Indierock-Landschaft mal aus der geographischen Perspektive, stößt man schnell auf einen erstaunlichen Dualismus. Während sich an der Ostküste, vornehmlich natürlich New York, die verschiedensten Trends und Spielarten jagen, überlagern und teilweise kaum noch auseinanderhalten lassen, Afrobeat auf Psychedelic auf Noise-Punk folgt und so im Monatsrhythmus neue Genres aus der Taufe gehoben werden, hat sich an der Westküste um die Metropolen Seattle und Portland ein wesentlich ruhigerer Gegenpol bilden können.

Rund um das längst wiedererstarkte Sub-Pop-Label geht man die Sachen konservativer an. Bands wie The Shins oder Fleet Foxes etablierten im letzten Jahrzehnt einen Wohlfühlsound im besten Sinne, dessen Musikverständnis irgendwann zwischen 1965 und 1975 stehen geblieben zu sein scheint und dabei doch immer wieder Momente voller erhabener Schönheit erzeugt. Zeitlos nennen das einige, denen das Songwriting immer noch als wichtigste Disziplin im Pop gilt. Andere wiederum können aufgrund der scheinbaren Regressivität dieser Art von Musik nur mit dem Kopf schütteln.

Eindeutig auch in diese zweite Kategorie puristischen Indie-Pops lassen sich Band Of Horses einordnen, die mit ihren ersten beiden Alben in Trauer erstarrte Folkrock-Monumente erschufen, in denen man als Hörer versinken konnte wie in den tiefen Nachthimmeln und kristallklaren Seen ihrer Coverartworks. Dass der Sound der Band dabei schon vom uneingeschränkt tollen Debüt „Everything All The Time“ zum Zweitling „Cease To Begin“ verdächtig in Richtung Stadion aufpoliert wurde, ließ sich mit ein wenig Liebe zu melancholischem Pathos schnell verzeihen. Anders jedoch sieht die Sache beim nun erscheinenenden dritten Album von Songwriter Ben Bridwell und Konsorten aus. Schon das Eröffnungsstück „Factory“ fährt mit dick aufgetragenen Streichern ein großes Geschoss auf. Wo das Stück aber trotz all dem Schmalz  noch die Kurve kriegt und durchaus überzeugen kann, geht dem Rest von „Infinite Arms“ im Laufe des Zeit mehr und mehr die Luft aus.

Dabei ist es nicht einmal unbedingt das Fehlen von Ecken und Kanten, das die Platte so enttäuschen lässt. Viel schlimmer wiegt im Falle von Band Of Horses, dass man neben diesen nun auch die songwriterischen Glanzmomente mit der Lupe suchen muss. Alles plätschert hier überraschungsarm und lustlos vor sich hin. Die Country- und Folk-Referenzen, die vor allem das Debütalbum noch auszeichneten, verschwimmen im Einheitsbrei.  Emotionen, wie die so tiefe Tragik der beiden Vorgängeralben werden an kaum einer Stelle vermittelt. Das reicht vom schnöden Mittelmaß wie in „Compliments“ oder „Bluebirds“ bis hin zum unsäglich einfältig vor sich hinplärrenden „Dilly“, dem wohl schwächsten Song, den die Band bis dato veröffentlicht hat. Zwar wird man dann gegen Ende, kurz bevor man endgültig einzuschlafen droht, von einem in bester 90er-Manier indierockenden „NW Apartment“ noch mal aufgerüttelt und zumindest etwas mit dem überwiegenden Rest dieser letzten gut 40 Minuten versöhnt. Schlussendlich aber können vielleicht zweieinhalb gelungene Songs kaum über ein in nahezu allen Belangen mittelmäßiges Album hinwegtäuschen. Für so talentierte Musiker wie Band Of Horses ist das im doppelten Sinne tragisch, zumal sie mit ihrem Ausflug in die Belanglosigkeit Kritikern des von ihnen vertretenen Indie-Klassizismus ins offene Messer laufen dürften.

55

Label: Fat Possum / Columbia / Sony

Referenzen: Neil Young, Fleet Foxes, Midlake, My Morning Jacket, Wilco, U2, Coldplay, Snow Patrol

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 14.05.2010

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