Konzertbericht: Mount Eerie & No Kids in Köln

Es ist wohl mehr ein “Ja, gerne.” als ein “Au ja!”, das den Aufbruch von Dortmund nach Köln zum für den Abend anstehenden Konzert von Mount Eerie und den No Kids begleitet. Ein regnerischer Abend zu einem Zeitpunkt im April, an dem man sich über schlappe acht Grad schon wieder ärgert. Teilweise angekühlt aber durchaus gespannt wird das Subway erreicht und schon geht es die Treppe runter in den kleinen, gemütlichen Club mit der schicken Tapete. Irgendwie steckt den Beteiligten die Müdigkeit in den Knochen. Was hilft da, wenn nicht Bier. Doch Bier gibt es keins, lediglich Veltins und Kölsch. Das sei an dieser Stelle, und da kann sich ein Club nicht über schlechte Kritiken beschweren, noch mal angemerkt: Es wird sogar noch an der Theke – trotz dieser Auswahl – über Geschmack diskutiert.. Also Kölsch und grimmig gucken. Wie Kollege Markus feststellt, schmeckt der Tresen nach Waldmeister.

Kurze Zeit später kommen noch mehr bekannte und vermeintlich bekannte Gesichter zusammen, ein kleineres AUFTOUREN-Redaktionstreffen ist das. No Kids eröffnen den Abend, das Publikum ist geprägt von Arty Fartys mit weitem Kragen und Menschen mit tatsächlicher Stärke in der Hornbrille. Wie ich mir vom ortskundigen Uli sagen lasse, entspricht dies dem Durchschnittssubwaybesucher. Insgesamt aber eine angenehm bunte Mischung, auf den ersten Blick. Dass heute Zurückhaltung Trumpf ist und bleibt, deutet sich schon in den ersten Minuten der Vorband an. Die ersten drei Reihen bleiben frei, und das wird sich nicht ändern (lassen).

No Kids sind einem von der Erscheinung her sofort sympathisch, werfen sich und dem Publikum schüchtern freundliche Blicke zu. Ein Problem dieses Abends offenbart sich mit den ersten Tönen: Der Klang ähnelt mehr dem eines besseren Proberaums. Das Schlagzeug müsste im Grunde gar nicht abgenommen werden, zum Glück für No Kids benutzen sie keine Gitarren, somit gibt es keine Probleme mit lauten Verstärkern. Die Synthies und Keyboards werden von der Band wie Freunde behandelt und freundlich gespielt. Überhaupt ist das alles sehr freundlich und nett. Aber ebenso wenig spannend. Man hört Rasseln und Ratschen, auch diese müssen nicht in die Nähe eines Mikrophons gebracht werden. Bei aller Hellhörigkeit verpufft in diesem Club ein Teil der Musik recht wirkungslos. Klare Sache, diese Band gehört raus auf eine Wiese, bei drei mal acht Grad Celsius. Das Publikum wippt mit, lächelt zurück, man schaut nach links und rechts über die Bühne, bleibt aber tendenziell bei der netten, jungen Dame links hängen. Die Dame von rechts braucht für ihre Synthie-Einstellungen vor jedem Song eine halbe Minute länger als ihre Band. Und was erntet sie dafür? Genau, ein diesmal sogar sehr freundliches Lächeln ihrer Mitstreiter. Und so werden diese schönen Sommersongs gespielt und beklatscht, niemals überschwänglich, niemals abweisend. Es gefällt, ohne die voranschreitende Müdigkeit bekämpfen zu können.

Eine Stärkung in der Umbaupause ist unausweichlich und so wird einer der hiesigen chinesischen Imbisse aufgesucht. Auf dem Weg an die Luft findet sich auch Pascal wieder. Einem war es da unten dann wohl doch einfach zu freundlich zugegangen. Wieder unten geht es bei Mount Eerie um Bandkopf Phil Elverum bereits weiter. Schnell wird klar, dass dieser Mann auf interessante und angenehme Weise eine Schraube locker hat. Er sagt die essenziellsten Teile seiner Textzeilen, und hier ist es wieder, freundlicherweise für die Zuschauer auf, damit diesen im Song dann nichts davon entgeht und die Botschaft klar ist. Die Songs sind variabel und von der Auswahl in ihrer Reihenfolge vielleicht etwas unglücklich gewählt. Es wechseln sich langsam und geruhsam wabernde Epen über klare Himmel und Phänomene der Natur mit schroffen Dampfhammern und Stakkato-Prügeln für das Schlagzeug ab. Da heißt es dann „Wind’s Dark Poem“, „Wind Speaks“ und „The Mouth of Sky“, stets ist es Elverum sehr wichtig, dass die Zuschauer nicht nur über seine Beschreibungen der Inhalte schmunzeln, sondern sie auch verstehen. Das ist unwahrscheinlich, man könnte meinen der Mann folgt Naturreligionen. Er hat bisweilen etwas Verrücktes in seinem Blick. Manchmal schließt er sie auch und lehnt mit dem Rücken an einer Wand und spielt dabei andächtig seine Gitarre. Ein merkwürdiges Bild, das nur von dem übertroffen wird, das ihn bei der Zugabe bereits mit Rucksack auf dem Rücken und der Gitarre vor der Brust zeigt. Zum Ende hin wird Mount Eerie besser, es entsteht eine dichtere Atmosphäre und die nun zwischen Krach und seichtem Soundteppich befindlichen Songs strahlen mit kräftigen Pianostücken und tollen Harmonien einen jazzigen Charakter aus, der deutlich mehr fesselt, als das Gros des Vorherigen. Ein schwer nötiges Nickerchen auf der Rückfahrt jedoch kann auch das nicht gefährden. Ein durchweg netter Abend.

Ein Kommentar zu “Konzertbericht: Mount Eerie & No Kids in Köln”

  1. Pascal Weiß sagt:

    Was hilft da, wenn nicht Bier. Doch Bier gibt es keins, lediglich Veltins und Kölsch.(…) Es wird sogar noch an der Theke – trotz dieser Auswahl – über Geschmack diskutiert

    Wie Kollege Markus feststellt, schmeckt der Tresen nach Waldmeister.

    Was habe ich gelacht, Sven;)

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