Plattenkritiken


Montags-Preview: Fang Island – Fang Island

Montags-Preview: Fang Island - Fang Island

Schuppen, Haare und der Schweiß der letzten Tage und Nächte überziehen wie ein schmieriger Film den Körper. Es riecht nach Anstrengung, Arbeit und Dreck. Die fünf Jungs von Fang Island sind vermutlich eher nicht die Hygienebeauftragten ihres Viertels in New York-Downtown, denn schließlich verlangen ihre Instrumente ihnen einiges ab: Die Gitarren schrummeln, das Schlagwerk wird stur geknüppelt und dazu der angestrengt-hymnische Gesang, der auch physisch einiges einfordert. Fang Islands, das sind die Rocker unter den amerikanischen Indiepop-Bands.

Es ist erfrischend zu hören, dass in dem engmaschigen Indie-Netz überhaupt noch Impulse gesetzt werden können, nachdem in den letzten Jahren und Monaten die Tendenz zu folklorischen Elementen doch einiges an Ermüdung mit sich gebracht hat. Die schlichte Formel lautet hier: Spielfreude, Temperament und gute Laune. Dass es so einfach sein könnte, scheint gar die Band selbst überrascht zu haben, so befreit spielen sie auf und trauen sich sogar manches Gitarrensolo aus den Saiten flutschen zu lassen. Zum Glück ohne dass die bösen Erinnerungen an unselige Zeiten heraufqualmen. Nein, hier passt alles  wie maßgeschneidert und tönt dazu wie locker wie aus diversen Ärmeln geschüttelt. Jingle-Jangle-Pop trifft auf nette Bar-Rock-Anleihen, grüßt Titus Andronicus, während die Feinpsychedelik samt Farfisa-Orgel („Dream Of Dreams“) am fröhlichen Mut leckerer Sommermusik knabbert. Wer immer behauptet, die Welt sei schlecht und Indiepop sei spätestens seit der letzten Sunset Rubdown öde und langweilig, der hat Fang Island noch nicht gehört. Die Landkarte der Popmusik steckt ihnen dabei immer in der Hosentasche und darauf wird Meile um Meile abgerissen: Von den seligen 60ern bis ins turbulente Heute.

„The Illinoise“ spart sich beispielsweise das Vorglühen und steigt direkt mit volltrunkener Inbrunst ins Geschehen ein und lässt sich prompt von den eigenen Gitarren überholen, die noch beim sensationellen „Sideswiper“ sich ein bisschen der Lärmbelästigung schuldig gemacht haben, wobei die Nachbarn an dieser Stelle aufatmen dürfen: Fies und richtig laut wird es eigentlich nie, wobei sich durchaus der Genuss proportional zur Lautstärke steigert. Kurzzeitig erschaudert man bei „Davey Crockett“, wenn die Hardrock-Zwillingsgitarren rausgeholt werden, aber spätestens, wenn die Peitsche (!) dem Vier-Liter-Whisky-Gesang auf die Stimme klatscht, ist ihnen auch dieser unheimliche Ausflug verziehen. Schließlich versteckt sich zwischen ihrem quirligen Temperament immer auch eine Portion Humor, die diese kurzweilig und hochgradig unterhaltsame Mischung antreibt. Dazu gibt es einen Ozean aus Melodien, der gerne mal hymnisch aufgeladen wird und dem selbst dann noch Mitsingtauglichkeit attestiert werden kann, wenn der Morgen graut und sonst rein gar nichts mehr geht.

Wertung: 80

Label:Sargent House

Referenzen:Malajube, Titus Andronicus, Cymbals Eat Guitars, Surfer Blood, Los Campesinos!, Vivian Girls, Girls, Jay Reatard, Sleigh Bells, Best Coast, Bear In Heaven, Besnard Lakes

Links: Albumstream | MySpace | Homepage

VÖ: 09.04.2010 (physisch) / 26.02.2010 (digital)


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7 Kommentare zu “Montags-Preview: Fang Island – Fang Island”

  1. Bastian sagt:

    Wie? Die letzte Sunset Rubdown öde?

  2. “seit der letzten Sunset Rubdown” impliziert doch eigentlich genau das Gegenteil, oder? ;)

    Wobei ich auch zugeben muss, dass ich die Sunset Rubdown bei uns etwas überbewertet fand, zumindest als sie dann noch ganz oben in unseren JahresCharts aufgetaucht ist. Die Fang Island macht mir einfach mehr Spaß, mal gucken, ob ich das auch noch im Sommer sage. Diese Wertung ist explizit als Momentaufnahme zu verstehen.

  3. philip sagt:

    das cover ist jedenfalls großartig.

  4. Pascal Weiß sagt:

    Sorry, aber jetzt muss ich doch mal dazwischenfunken: Sunset Rubdown sind alles andere als überbewertet (im Gegensatz zu XX bspw). Nach Merriweather für mich das Album aus 2009. Das macht ein Jahr nach dem ersten Hören sogar noch eher mehr Spaß als anfangs. Aber Markus, komm doch nächstes Mal einfach mit zum Konzert;)

  5. Lennart sagt:

    Das solltest Du wirklich tun, Markus!

  6. Uli sagt:

    Offenbar auch kindergartenkopatibel:

    http://www.youtube.com/watch?v=irW95i7INKg

  7. Bastian sagt:

    Fantastisches Album! Sollte auch nochmal gesagt werden.

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