Fuck ButtonsTarot Sport

Man würde es sich gleichermaßen zu einfach wie auch zu schwer machen, täte man diese Musik einfach als Krach ab. Schließlich könnte diese Feststellung in die Überlegung münden, ob dieser an sich gut oder schlecht sei. Eine ebenso müßige wie unproduktive Frage.

Noise, Scheppern, Wallen und Rauschen, Verzerrungen bis zur akustischen Grobkörnigkeit und Frequenzbereiche jenseits des täglichen Erlebens sind schließlich keine Seltenheit mehr in der (im weitesten Sinne gefassten) Popmusik. Das Bedienen von Instrumenten in einer nicht herkömmlichen oder aber bisher eher unüblichen Weise hat nichts Außergewöhnliches mehr an sich, es gibt mittlerweile gänzlich andere Wege der Klangerzeugung als vor etwa einem Jahrzehnt. Und anstelle sich ständig darüber zu wundern, wie etwas klingt, sollte man auch bedenken, was alles zu Gehör gebracht werden kann. Die Beschäftigung mit Musik ohne soziales oder finanzielles Risiko führt zur Bildung der unterschiedlichsten Nischen, die allesamt mit ein wenig Onlinerecherche entdeckt werden können. Verbindlichkeit bleibt dabei auf der Strecke, die Beachtung auch abseitiger Genres dürfte jedoch dennoch zunehmen, da keine Laune der Popkultur mehr verschwindet, ohne öffentlich dokumentierte Spuren zu hinterlassen. Man braucht nicht mehr von irgendwelchen Alben und Singles munkeln zu hören oder von Konzerten vorgeschwärmt bekommen, fast alles ist stets verfügbar, und was nicht verfügbar ist, fällt selten auf, da es ja genügend anderes gibt.

Was das mit den Fuck Buttons zu tun hat? Nun, unabhängig davon, wie gelungen deren zweites Album „Tarot Sport“ Eurer oder meiner Einschätzung nach ist, gibt es genügend ähnliche Elemente in der Musik anderer Bands wie die hier gebündelten, nicht wenige MusikerInnen drehen lieber an Knöpfen, als an Gitarren zu zupfen, auch andere bauen dronige Soundschleifen. Es handelt sich mittlerweile einfach eher um ein ästhetisches als ein politisches Statement, keine klassischen Songs zu schreiben.

Ob so etwas denn „noch Musik ist“, spielt zwar keine Rolle, und doch möchte man sagen: ja, es ist Musik, und auch Deine kleinen Geschwister werden sie mögen, vielleicht noch nicht heute, aber in ein paar Jahren, wenn man bemerkt haben wird, dass die durch das Hören eines Sounds hervorgerufene Empfindung nicht bloß von seiner Griffigkeit, sondern auch Länge abhängt. Wer auf das Ende eines Rauschens wartet, glaubt weiter, dass es sich dabei bloß um ein Rauschen handelt, weiß er oder sie jedoch, dass es nicht enden wird, können Klangfarben entdeckt werden, die keineswegs anstrengend oder brutal genannt werden müssen, mögen sie auch ungewohnt sein. Dafür aber gibt es in der Musik der Fuck Buttons zum Beispiel recht simple und technoide 4/4 Beats, die die Weite des durch sie eröffneten Raumes durch ein stetiges Fortschreiten erfassbar lassen. Welcher Art seine Einrichtung ist, mögen spätere Musikinteressierte herausfinden, dass es sich dabei keineswegs um ein Schlachtfeld handelt, sollte jedoch jetzt schon klar sein.

72

Label: ATP Recordings

Referenzen: Animal Collective, Atlas Sound, Black Dice, Godspeed You! Black Emperor, Health, Neon Indian, Pictureplan

Links: Homepage / Myspace

VÖ: 16. 10. 2009

4 Kommentare zu “Rezension: Fuck Buttons – Tarot Sport”

  1. […] aufzuführen: Mit dabei sind u.a. unsere letztjährige Nr. 1 Destroyer, die noisepoppigen Fuck Buttons, Dirty Three (mit Warren Ellis und Jim White!), Digitalpop-Queen Grimes, die furiose Ty Segall […]

  2. […] aufzuführen: Mit dabei sind u.a. unsere letztjährige Nr. 1 Destroyer, die noisepoppigen Fuck Buttons, Dirty Three (mit Warren Ellis und Jim White!), Digitalpop-Queen Grimes, die furiose Ty Segall […]

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