Erstaunlich: Cymbals Eat Guitars spielen überlange Stücke, ohne auf klassische Songstrukturen zurückzugreifen. Dabei sind sie weder übermäßig ambitioniert, noch begehen sie große Sprünge. Eine Lektion in Sachen Kurzweiligkeit.

„Why Are There Mountains“ gehört mit Sicherheit nicht zu den aufregendsten Alben des Jahres. Das Debüt der Band aus Staten Island, NY, befindet sich damit in der guten Gesellschaft von Veröffentlichungen, die in der Lage sind, zu wachsen, die unterhalten und fesseln, ohne eines großen, neuartigen Reizes zu bedürfen. Dadurch ist es im Vorteil gegenüber Alben, die mehr Anspruch darauf erheben können oder wollen, zeitgemäß zu sein. Zeitlosigkeit nämlich ist nicht nur eine im Rückblick verliehene Auszeichnung für wenige Platten, die sich mit den Jahren immer wieder bewährt haben, sondern auch ein Merkmal derjenigen, die sich gar nicht erst zu bewähren brauchen, deren Qualitäten nichts mit Innovationen zu tun haben, sondern auf einem Gebiet liegen, dem kein Hype etwas anhaben kann: dem Songwriting.

Wer die Anteilnahme der HörerInnen über sieben Minuten hinweg aufrecht erhält, ohne sich in Sachen Instrumentierung und Songaufbau merklich von Bekanntem abzuheben, beherrscht Dynamik und Dramaturgie. „Share“ zum Beispiel braucht über volle fünf Minuten, bis es sich aus einem spiegelglatten Meer von Rauschen zu einem triumphalen Finale erhebt. Das Schönste daran: selbst nach mehrmaligem Hören wartet man nicht auf diesen Moment,  sondern wird wie auch bei anderen Stücken immer wieder aufs Neue überrascht von für Rockmusik selbstverständlichen Momenten: einer leicht gniedeligen Melodiegitarre, Bläsern, Backingchören, ein wenig Piano und Keyboards sowie einem Gesang, der sich gerne einmal bis zum Geschrei steigert. Eine Produktion, die transparent genug ist, um das Augenmerk auf Melodien zu legen und dennoch lärmenden Elementen und geschmackvollen Verzerrungen genügend Raum einräumt, führt zu einem stimmigen Sound, in dem noisige Ausbrüche der Gitarre  diese unaufdringlich als tragendes Instrument erkennbar machen.

„Why Are There Mountain“ ist ein geradezu klassisches Album, es beweist, dass viele Bands der späten 80er und frühen 90er nicht ohne Grund auch noch heute Relevanz besitzen, wie Pascal hier sehr schön aufgezeigt hat. Eine Platte wie diese hätte man auch vor zwanzig Jahren zu schätzen gewusst, und mit Sicherheit wäre das auch bei einer Veröffentlichung weit nach 2009 der Fall gewesen, als „Why Are There Mountains“ erstmalig von der Bands selbst herausgebracht wurde, bevor sie ein Label dafür fanden. Ein Aspekt, der Cymbals Eat Guitars noch sympathischer machen kann, als sie es durch ihre Musik schon sind, aber ohne diese auch nichts zu bedeuten hätte. Wir aber wollen bis jetzt erst einmal alles zu Gunsten einer Band auslegen, von der mit Sicherheit noch viel zu erwarten ist.

79

Label: PIAS

Referenzen: Buit to Spill, Pavement, Wye Oak, Modest Mouse, Nada Surf, Yo La Tengo, Sonic Youth, Pedro The Lion

Links: Homepage / Myspace

VÖ: 23. 10. 2009

Ein Kommentar zu “Rezension: Cymbals Eat Guitars – Why There Are Mountains”

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum