Oll‘ Hip-Hop Hasen

Oll' Hip-Hop Hasen

Unfair, wenn in dem Alter um die 40 schon Sprüche kommen von wegen „Alte Hasen im Geschäft“, aber Mos Def und Raekwon wissen natürlich Bescheid, waren beide doch für gewisse Meilensteine im Hip-Hop Geschäft verantwortlich, die aber schon etwas älteren Datums sind. Der jüngere Output beider ging an manchen Stellen eher unter, obwohl es sich dabei um zwei durchaus reizvolle Werke handelt. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Dem einen sind die Konventionen des Genres vollkommen fern und der andere erfüllt sie dafür umso mehr mit vollem Ernst.

RaekwonBeginnen wir mit Raekwon, dessen Album „Only Built 4 Cuban Linx…Pt II“ ein Klotz von fast achtzig Minuten Spielzeit ist. Mit 24 Songs bedeutet das dann, dass die Lieder hin und her springen. Ist der eine Beat gerade ins Ohr gegangen, passiert schon etwas vollkommen anderes. So feuert „New Wu“ einen Schuss in die Nacht, der doch ziemlich überrascht vor dem entspannten Chor-Sample im Hintergrund. Der Fluss  aber bleibt vorhanden, der violette Faden vom Cover wird so konsequent wie möglich verfolgt bis das Knäuel entwirrt ist. Nur zu oft fängt der Kopf an zu nicken zu den Dingen, die sich oftmals im hinteren Teil des Albums versteckt halten. Etwa in „We will rob you“, und eigentlich würde es bei jedem anderen in die Hose gehen den Queen-Song so zu verscherbeln. Das besitzt hier aber soviel Authentizität, dass das Grinsen schnell vom Gesicht gewischt wird.

Raekwon ist somit ein Gesamtwerk gelungen, das musikalisch absolut ausgereift daher kommt und sich einen Dreck darum kümmert, ob Gangster-Attitüden mittlerweile soooo 2004 sind oder nicht. „Ason Jones“ mit Beat von J Dilla und Tribut an Ol‘ Dirty Bastard fügt sich dann genauso ein wie „Fat Lady Sings“, das erst ganz langsam aus dem Gulli schielt, um dann doch noch ans Tageslicht zu krabbeln. Vermutlich ist „Only Built 4 Cuban Linx…Pt II“ eines dieser Alben, die man entweder hasst oder liebt. Obwohl diese Phraserei dem Album in keiner Weise gerecht wird, könnte es doch einen Funken Wahrheitsgehalt besitzen.

72

Label: Ice H2O / Soulfood

Links: myspace, twitter

Referenzen: Wu-Tang Clan, Ghostface Killah, RZA, Ol‘ Dirty Bastard

VÖ: 11.09.2009

Mos_DefQuasi in einem ganz anderen Buch steht dann Mos Def mit „The Ecstatic“ und das könnte kaum entfernter sein von Raekwons Werk, steht diesem aber in nichts nach, obwohl es sich anfangs nur bedingt anschmiegen mag. Abgeklärt feuert „Supermagic“ zu Beginn aus den Rohren und tut dabei so als wäre das die einfachste Sache der Welt. Danach suhlt sich „Twilite Speedball“ in dunklen Bläsern und Xylophon-Klängen. So wie die Tür aufgestoßen wurde, schlägt sie Mos Def einem eben gleich wieder vor die Nase.

Der Flow hat hier mehr mit Honig gemein, doch der bleibt eben auch länger an den Fingern haften. Erst nach und nach offenbart sich, welche Perlen auf dem Album vorhanden sind, etwa „History“, das mit Kweli noch einmal an Black Star Zeiten erinnert: Beide überschlagen sich beim Reim, kloppen förmlich, bevor der Spuk schneller vorbei ist als einem lieb ist. Oder vorher in „Roses“, das sich mit Klavierballade in Stimmung bringt, um dann peu à peu eine Schippe drauf zu legen bis es wackelig steht und dann doch wieder allein gelassen wird. Dinge überlagern sich, verschieben sich permanent, sind schwieriger zu greifen.

Trotz der viel kürzeren Länge ist „The Ecstatic“ das gewichtigere Werk, was vielleicht auch an den unendlich vielen tollen Samples liegt, die es zu entdecken gibt. Während Raekwon seinem Faden folgt, zerknüllt Mos Def diesen. In seiner Gesamtheit hat er den Kern der Sache womöglich trotzdem noch ein klein wenig mehr getroffen, denn „The Ecstatic“ wirkt als Ganzes geschlossener. Einmal drin, fällt es schwer wieder raus zu kommen. Im Gegensatz dazu entlässt „Only Built 4 Cuban Linx…Pt II“ durch die Hintertür und vorne heißt es dann, sich wieder hinten in der Schlange an zu stellen.  Schwierig ist sicher nicht immer besser, jedoch hier hat Mos Def die berüchtigte Nasenspitze vorne. Aber am Ende bleibt bei beiden Alben das Gefühl, dass alte Helden nicht rosten.

79

Label: Downtown / Universal

Links: myspace

Referenzen: The Roots, Talib Kweli, Black Star

VÖ: 21.08.2009

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