Mal wieder Zeit für die Erste Person. Von allen Lo-Fi-Rabauken der letzten Jahre waren mir Times New Viking eigentlich immer die liebsten, da das Geschrammel und die Anti-Produktion hier nie zum modischen Selbstzweck verkamen, sondern in Kombination mit diesem unfehlbaren Gespür für euphorische Melodien ein Gefühl erzeugten, wie ich es sonst eigentlich nur von alten Guided By Voices-Platten kannte.

 
Nachdem die Band im letzten Jahr den Sprung zu Matador wagte und mit „Rip It Off“ ihr bisher bestes Album ablieferte, das der derzeit grassierenden unaufhörlichen Welle von DIY-Bands zusammen mit No Ages „Nouns“ wohl erst zum endgültigen Durchbruch verhalf, folgt nun Album Nr. 4 und macht genau dort weiter, wo man vor gut einem Jahr aufgehört hatte. Zwar soll es sich bei „Born Again Revisited“ um das laut Eigenaussagen bisher professionellste Werk der drei Krachmacher aus Columbus, Ohio handeln, da die Originalaufnahmen diesmal ganz gewieft auf VHS anstatt auf herkömmliche Musikkassette gebannt wurden, von einer wirklichen Entwicklung oder gar einsetzender Altersmilde kann aber auch nach geschätzten vier Jahren Bandgeschichte noch längst keine Rede sein. Wieder einmal hagelt es vollkommen übersteuerte Pop-Punk-Hymnen unterhalb der 3-Minuten-Grenze, immer wieder durchzogen von kleinen popkulturellen Verweisen wie  zum Beispiel zur Mutter aller Garagenbands, The Sonics, in „Hustler, Psycho, Son“  oder schlicht und einfach zu sich selbst in „No Time, No Hope“.

Dass mir der ganze Rumpelzirkus dieses Mal trotzdem weit weniger gefällt als noch auf „Rip It Off“, mag an der derzeit langsam einsetzenden Lo-Fi-Übersättigung meinerseits liegen. Der Verdacht, Times New Viking hätten hier zum ersten mal in ihrer noch sehr kurzen Karriere etwas nachgelassen, was den bei dieser Musik so wichtigen Euphorielevel angeht, lässt sich aber auch nicht so einfach von der Hand weisen. Was ich nämlich auf „Born Again Revisited“ im Gegensatz zu den Vorgängern so schmerzlich vermisse, sind der Spaß und die unschlagbaren Melodien, zu denen diese Band ohne Zweifel in der Lage ist. So wird aus euphorisierendem, Fäuste in die Luft reckenden und glückstrunken auf die Straße stolperndem Noise-Vergnügen schnell einfach nur noch nervender Lärm, der verständlicherweise nicht einmal als Hintergrundbeschallung taugen kann.  Man wandelt halt immer auch auf einem sehr dünnen Seil, wenn man sich so völlig unbekümmert und ohne Sicherheitsnetz in die Songs stürzt. Wo die Drei diese oben schon einmal als Guided By Voices-Moment betitelte Magie letztendlich auf der Strecke gelassen haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Um in der momentan gewaltig großen Flut ähnlicher Veröffentlichungen allerdings nicht mit wehenden Fahnen unterzugehen, sei ihnen hiermit geraten, den nötigen Enthusiasmus schleunigst wieder aufzusammeln.

55

Label: Matador

Referenzen:Guided By Voices, Sebadoh, The Thermals, Wavves, Vivian Girls, No Age

Links: Matador, MySpace

VÖ: 18.09.2009

4 Kommentare zu “Rezension: Times New Viking – Born Again Revisited”

  1. philip sagt:

    für mich weit über den 55!

  2. […] Effekt – , Digitalfilme mit Kornartefakten, Vinyl- und Kassetten-Tonträger oder eben auch Musik, die selbst dann an archaisch anmutende Produktionsmethoden erinnert, wenn sie überwiegend am […]

  3. […] Solokonzert am Schlagzeug. Aber auch inzwischen etablierte Künstler wie Ariel Pink oder Times New Viking, No Age oder Deerhunter machten auf ihrem Weg in die größeren Konzerthallen hier Station und […]

  4. […] allem geht das Album aber erfreulicherweise den Weg weiter, der sich auf „Born Again Revisited“ mit dem herrlich verregneten „Move To California“ und mit ihrem 2009er […]

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