<strong>Rückspiegel:</strong> 48 Stunden in Berlin - Teil 2

Deerhunter und Black Lips im Festsaal Kreuzberg (17.08.09)

Ähnliche Konstruktion, andere Ebene. Deerhunter und Black Lips sprechen in etwa gleich viele Fans an, aber selten die gleichen, eine gewagte Konstruktion also. Auch diesmal fällt die Wahl der beginnenden Band auf jene, wegen der ich eigentlich da bin. Kein Nachteil, wie sich später herausstellen sollte. Deerhunter entspannen sich noch auf einem Sofa im Innenhof, als die ersten Besucher eingelassen werden. „It’s always good to be a bit high“, lässt Bradford Cox wissen, der an diesem Abend im Gegensatz zum Kollegen Josh Fauver aber ganz und gar nicht high, sondern sehr konzentriert daher kommt. Dennoch, gesagt getan und endlich rein in den Festsaal. Eine wunderbare Location, die zu allem Überfluss auch noch über einen Balkon mit bequemen Sitzgelegenheiten verfügt. Eine zu verlockende Aussicht. Von oben anschauen und sitzen, vielleicht wirklich die beste Art und Weise, Deerhunter zu lauschen. Bei einer Wette auf den Opener hätte „Cryptograms“ vermutlich keine allzu hohe Quote gehabt. Und trotzdem ist es ein erhebender Moment, wie die Maschinerie langsam ins Rollen gerät, Bradford Cox sich schließlich ans Mikrofon klammert, gegen diese Soundwand ansingt und im einen Moment von ihr überspült wird, nur um sie direkt im nächsten komplett zu beherrschen, immer konzentriert, doch nie verbissen. Direkt neben ihm stehend ist Josh Fauver das komplette Gegenteil. Er kann es nicht lassen, immer wieder kleine Faxen zu machen, sein Äußeres lässt in diesen Situation grinsende Erinnerungen an Hansi Kraus‘ Paraderolle Pepe Nietnagel wach werden. Auch nach dem Opener geizt das runde 60- minütige Set mit Überraschungen, das Augenmerk liegt natürlich auf dem Material des aktuellen Albums „Microcastle/ Weird Era Cont.“ Anhand des Potentials dieser Platte natürlich mehr als verständlich, „Agoraphobia“ und „Nothing Ever Happened“ sind auch live Monster, die an Intensität kaum zu überbieten sind. Es wird immer wärmer, immer wuchtiger erscheint der Sound, bis sich Deerhunter mit einer kleiner Feedback- Einlage verabschieden. Ein bis auf die Länge fast perfekter Auftritt.

Nach einer recht kurzen Pause betreten Black Lips die Bühne. Auch sie haben viele Fans angezogen, die schon nach dem ersten Ton nicht mehr zu halten sind. Nun sind sie bestimmt keine schlechte (Live-) Band – im Gegenteil. Doch weil sie mit ihrer offensiven, nach vorne preschenden und direkten Haltung Deerhunter diametral entgegen stehen und somit unter Umständen sämtliche Eindrücke im Nu verwischen würden, entscheide ich mich während des zweitens Songs zu gehen und stattdessen lieber einen schönen Spaziergang vom Kottbusser Tor zurück zum Alexanderplatz zu machen.

(Danke an Stefan)

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