Moritz Von Oswald kann man wohl mit Fug und Recht einen Elektronik-Veteranen nennen. Seine Produktionen aus den 90ern gelten unlängst als Klassiker. Mit dem Label „Basic Channel“ legte er einen Grundstein für die konsequente Weiterentwicklung der elektronischen Musik in Deutschland. 1983 erstmals als Drummer von Palais Schaumburg in Erscheinung getreten, arbeitete er immer wieder mit hochkarätigen Künstlern zusammen. Zuletzt erst mit Detroit-Legende Carl Craig, der ihm bei der Neuinterpretation von Maurice Ravels „Bolero, Rapsodie espagnole“ und Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ zur Hand ging.

Bei dem Namen „von Oswald“ schwingt dementsprechend eine Menge Erfahrung und Kompetenz mit. Die Mitstreiter seines Improvisations-Trios brauchen sich trotzdem nicht hinter diesem geschichtsträchtigen Namen zu verstecken, handelt es sich doch um niemand geringeren als Max Loderbauer von „Sun Electric“ und Vladislav Delay (Luomo/Uusitalo). Während sich Loderbauer mit diversen Synthesizern auseinandersetzt, bringt Delay seine typisch, metallischen Perkussiv-Elemente ein. Von Oswald arrangiert und mischt das Ergebnis dabei in Echtzeit.

Pattern 1 schlingt sich direkt wie ein Möbiusband um den Kopf und massiert die Synapsen mit triolisch stolpernder Percussion, fixiert von einem wohligen Bett oszillierender Flächenkonglomerate. Die zweite Improvisation wälzt sich dagegen schwerfällig durch eine groß angelegte Industrie-Kulisse und vertritt einen eher verweigernden, introvertierten Klangcharakter. Einzig der minimalistisch angelegte Basslauf erzeugt eine subtil paranoide Spannung. Das Trio bewegt sich gekonnt zwischen allen Stühlen, ohne sich zu setzen. So bildet ein meditativ, urwüchsiges Rhythmus-Schema auf dem dritten Pattern die Basis für dezente Noise-Einschübe und Rhodes-Akkorde im schimmernden Tremolo. Der Sound fluktuiert ständig nervös zwischen Dub, House und Noise, ohne ein Motiv genau auf den Punkt zu bringen. Alles bleibt offen. Das letzte Stück kommt dann nochmal in trippig, schleppenden Schritten daher getorkelt und kreiert eine surreale Aura, der man sich nur schwer entziehen kann.

Trotz hohem Improvisations- und Geräuschanteil ufert das Vorhaben nicht in absoluter Negation der Hörgewohnheiten aus. Geschickt verpackt, offenbart sich das Experiment nämlich nicht als Selbstzweck, sondern unterliegt stets einer gewissen Funktionalität. Und genau darin liegt die Stärke der Platte: Man wird gezielt an die Klangforschungen des Trios herangeführt und erhält so einen konkreten Kontext.

80

Label: Honest Jons Records (Indigo)

Referenzen: Were Omito, Basic Channel, Vladislav Delay, Max Loderbauer

Links: Honest Jons

Vö: 26.06.09

Ein Kommentar zu “Review: Moritz von Oswald Trio – Vertical Ascent”

  1. […] mit ebenso wagemutigen und in offenen Systemen denkenden Musikern wie Carl Craig und Moritz von Oswald experimentiert […]

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