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Reviews: Kilt-Pop: Schottland Spezial (Teil 2)

Zu Teil 1:

Der Bogen von Malcolm Middleton zu Alun Woodward alias Lord Cut-Glass ist kein allzu großer. War doch dessen Label Chemikal Underground einst Ausgangspunkt für Middletons musikalische Karriere mit Arab Strap. Von Woodward selbst hingegen gab es seit der Auflösung der fabelhaften Delgados nur spärliche Lebenszeichen zu vermelden. Schon allein deshalb überrascht dieses Album hier umso angenehmer.

lordcutAnders als seine ehemalige Kollegin Emma Pollock, die auf ihrem 2007er Solodebüt ein wenig am Erbe der Ex-Band scheiterte, wagt Lord Cut-Glass jetzt nämlich einen wirklichen Neuanfang.  Zwar erinnert auch hier vieles an die Delgados, denn Woodward fühlt sich anscheinend und völlig zurecht pudelwohl in seinem Indiepopkorsett, als dass es zu wirklich revolutionären Umwälzungen kommen müsste, sein ganz spezieller Hang zu ausschweifenden Arrangements wird aber ganz eindeutig auf die Spitze getrieben. „Lord Cut-Glass“, das sind ganze Spielmannszüge von Pauken und Hörnern, Querflöten und Glockenspielen, die in einer knapp 40minütigen operettenhaften Revue allerhand lustigen Schabernack treiben. Das dazugehörige Musical würde man sich auf jeden Fall lieber anschauen als jenes, welches auf Stuart Murdochs routinierten Ergüssen fußt. Besonders hervorzuheben wäre da zum Beispiel „Look After Your Wife“, das in seinem Eklektizismus und geschätzten fünfeinhalb Tempowechseln beinahe Fiery Furnaces-hafte Dimensionen annimmt. Noch weiter geht da vielleicht nur noch „I’m A Great Example To The Dogs“, mit dem Alun Woodward beweist, dass er sich in Sachen fatalistischen Humors vor keinem seiner schottischen Kollegen verstecken muss.  Auch leiden kann der Mann, denn das darauffolgende „Monster Face“ ist ein düster dräuender Trauermarsch, der geschickt von Woodwards glockenheller Stimme konterkariert wird. Wenn man es für angemessen halten würde, nach vier Jahren, in denen sicherlich wesentlich mehr zu tun war als nur lethargisch die Studiowand anzustarren und dann dieses Album aufzunehmen, schon von einem Comeback zu sprechen, könnte man dieses hier wohl als äußerst gelungen bezeichnen. Emma Pollocks Stimme als Woodwards kongeniales Gegenstück darf man aber trotzdem immer noch schmerzlich vemissen.

7.3 / 10

Label: Chemikal Underground / Rough Trade

Links: MySpace

VÖ: 19.06.2009

mlnIn die große Lücke, die die Delgados nach ihrer Auflösung hinterließen, stießen gerade rechtzeitig My Latest Novel, deren Debütalbum „Wolves“ zumindest in Großbritannien als schottische Antwort auf  The Arcade Fire gefeiert wurde. Mit ihrem wild-romantischen Folkrock mit Hang zum Pathetischen gehören sie wie auch The Twilight Sad und Frightened Rabbit  einer jungen Generation schottischer Bands an, deren zeitweise brachialer Sound in Kombination mit dem im unverkennbar spröden Akzent leidenden Sänger Assoziationen zu rauen und gewaltigen Landschaften  wecken wie man das sonst eigentlich nur von isländischen Bands kennt. Nachdem man also seit über 20 Jahren von allen erdenklichen amerikanischen und zentralbritischen Einflüssen zehrte, hat man nun offenbar auch in Schottland den Bezug zur eigenen Natur für sich entdeckt. Bei My Latest Novel äußert sich dass vor allem in der Verwendung von Streichern und Backgroundchören, die auch ihr neues Album wesentlich bestimmen. „Deaths And Entrances“ als typisches Zweitwerk zu bezeichnen scheint dabei durchaus begründet, denn man merkt der Band die Mühen und Zweifel, die in dieses Album gesteckt wurden, nicht nur in den drei Jahren Wartezeit deutlich an. Wohl auch um der Arcade Fire-Falle zu entgehen, klingt man nun ruhiger und weniger verspielt als noch auf dem Debüt. Wo früher abrupte Rhythmuswechsel für Abwechslung sorgten, herrscht jetzt ein homogenes Klangbild vor, das auch vor altmodischen Gitarrenwänden und konventionellen Rocksongstrukturen nicht zurückschreckt und dem Verdacht der  Langeweile zunächst nicht immer ganz entkommen mag. Dass „Deaths And Entrances” trotzalledem keine Enttäuschung geworden ist, liegt ganz alleine im Talent dieser jungen Menschen, die auch in dieser etwas abgeklärten Version kaum etwas von ihrem eigentümlichen Charme verlieren. So braucht man dann zwar eine ganze Weile, bis einem Highlights wie „If The Accident Will“ mit seiner eigenwilligen Indierock-Variante von Human Beatboxing  wirklich auffallen wollen, aber letztendlich bemerkt man dann doch, dass My Latest Novel eigentlich keinen Song so beenden, wie sie ihn einmal begonnen haben und dass in all der Ruhe hier doch wesentlich mehr passiert als man zunächst  für möglich gehalten hätte. Einen Grower nennt ma so etwas dann wohl.

7.0 / 10

Label: Bella Union / Cooperative / Universal

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 22.05.2009

brokenrBroken Records stechen aus allen hier rezensierten Platten insofern heraus, als dass sie als einzige Band im Felde nicht in der Glasgower Szene zu verorten sind, sondern aus Edinburgh stammen. Einen ziemlich perfekten Abschluss dieser kleinen Reihe bilden sie trotzdem, denn nachdem My Latest Novel sich nun schon als nicht ganz unschuldig in Sachen Pathos gezeigt hatten, legen diese sieben Herren hier noch einmal die ultimative Schippe nach. Die grobe Richtung heißt nicht nur Arcade Fire, die in der Beziehung ja mittlerweile nahezu unverzichtbar sind, sondern es wird auch gleich noch Bruce Springsteen mit ins Boot geholt, was nach all den queeren Falsett-Jungs, die in Indiehausen in letzter Zeit das Sagen hatten, für einen erfrischend zupackenden aber noch lange nicht breitbeinigen Touch sorgt. Leider ist diese Tatsache aber auch das einzige wirkliche Alleinstellungsmerkmal, das man dieser Band nach bloßem Hören ihres Debütalbums „Until The Earth Begins To Part“ zuschreiben möchte, denn dieses besitzt zwar durchaus einige gute und mit dem verzweifelt von Whisky und Streichern getriebenen „If Eilert Løvborg Wrote A Song, It Would Sound Like This“ einen wirklich grandiosen Moment, vollständig überzeugen kann es jedoch letztendlich nicht. Wo My Latest Novel in beinahe jedem Moment versuchen sich vom großen Vorbild zu lösen und Eigenheiten herauszustellen, wählen Broken Records den einfachen Weg und suhlen sich in genau dem Bombast, der einem in den letzten Jahren von zahlreichen Arcade Fire-Klonen vielleicht schon ein paar mal zu oft aufgetischt wurde. Für den Part als Anheizer der nächsten U2-Welttournee dürfte das wohl genügen. Erste Schritte in die Emanzipation wären der Band aber fürs nächste mal trotzdem zu wünschen. An mangelnden guten Beispielen aus der direkten Umgebung kann es ja ganz offensichtlich nicht liegen.

6.0 / 10

Label: 4AD / Beggars / Indigo

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 05.06.2009

Ein Kommentar zu “Reviews: Kilt-Pop: Schottland Spezial (Teil 2)”

  1. Pascal sagt:

    Sehr schlüssige, runde Zusammenfassung, Bastian! Hab´s mit großem Interesse gelesen und sehe viele Dinge ähnlich;)

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