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Review: Sonic Youth – The Eternal

<strong>Review:</strong> Sonic Youth - The Eternal

Noch nie gab es so viele Dissonanzen und Missklänge in der Musik wie heute. Das hat nicht nur der Rezensent, sondern auch kürzlich Frau Gordon im Independent festgestellt. Das Hörverständnis hat sich eben immer weiter entwickelt und daran haben Sonic Youth sicherlich einen großen Anteil. Seit 28 Jahren beglücken die New Yorker nun mit neuen Werken, bei denen keines wie das andere klingt. „The Eternal“ ist als Veröffentlichung irgendwo zwischen dem 18ten und 29ten Studioalbum zu verorten. Es ist sowieso eine Sisyphosarbeit, Fan der Noise-Ikonen zu sein, denn mit den zahllosen Soloalben, Nebenprojekten und Kollaborationen ist es unmöglich geworden seine Sammlung jemals zu vervollständigen.

Auf dem neuesten Werk wird mit „Sacred Trickster“ gleich zu Beginn mal ein tollwütiger Stampfer auf den Hörer losgelassen,  der auch ”diRty” damals sicher gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Entspannung folgt auf dem Fuße, denn mit „Anti-Orgasm“ geht es doch wesentlich ruhiger und relaxter zu; der Song schummert vor sich hin und lässt die aufkeimende Krachexplosion nur latent durchscheinen. Überhaupt zählt dieser Moment zu den eher wenigen Passagen, in denen Sonic Youth das Tempo derart konsequent drosseln. Für reichlich Abwechslung ist aber auch im weiteren Verlauf gesorgt: Mit „What We Know“ und “Walkin Blue” sind zwei vollends überzeugende Stücke vertreten, in denen Lee Ranaldos Stimme den Ton angibt,während es gleich in mehreren Songs dazu kommt, dass Ranaldo, Gordon und Moore zusammen vor dem Mikro auftauchen. So unterstützen sich alle drei Stimmen etwa in „Leaky Lifeboat (For Gregory Corso)“ zu einem wunderbar schmissigem Popsong oder dem, was eben als solcher im Universum von Sonic Youth verstanden wird. Wirklich verstörend wird es im struppigen „Calming The Snake“, in dem Gordon ihre Stimme wieder kratzig und ungebürstet inszeniert, während sie sich in „Massage The History“ zwar immer noch nicht glatt gebügelt, aber doch deutlich zärtlicher einbringt. Nicht umsonst hat ThurstonMoore hier seine Akustische vom letzten Soloalbum wieder ausgepackt.

Derweil ist der Fluss auf diesem Album die Trumpfkarte, hier kommt an keiner Stelle auch nur die leiseste Vermutung auf, dass es sich um eine Band mit derart langer Geschichte handelt wie Sonic Youth. Neben den Gitarren sei abermals Shelleys Schlagzeugkönnen erwähnt - die Drums halten wie auch schon auf den Vorgängeralben immer wieder die Kracheskapaden zusammen und lassen die Songs nicht versickern, sondern treiben sie stetig und voller Tatendrang voran. Komplettiert wird die erfahrene Truppe übrigens von keinem geringen als dem Ex-Pavement Basser Mark Ibold, der sicherlich an so mancher Ecke für frischen Wind im Bandgefüge gesorgt hat. Alleine wegen dem Basslauf in “What We Know” könnte man ihn auf der Stelle umarmen.

Nicht zuletzt ist es der absolut fantastischen Produktion zu verdanken, dass dieses Album zudem wunderbar zum aktuellen, sonnigen Wetter passt. Auf kaum einer Scheibe gelang es so eindrucksvoll, die Energie der Liveauftritte  einzufangen. Glasklar kommen die Gitarren aus den Boxen, dynamisch und laut klingen die Songs. Kritiker sehen hier sicherlich wieder die eingängige Seite von Sonic Youth, doch sind sie nun einen ganzen Schritt weiter gegangen als noch zu „Rather Ripped“-Zeiten. Dort waren die Songs teilweise ein wenig lustlos runtergespielt und stark an konventionellem Songwriting angelehnt, nun funktioniert die Eingängigkeit nicht auf Kosten komplexer Songstrukturen. Der Krach bindet sich diesmal geschmeidig ein, ist zu jeder Zeit eins mit dem Song. Das erinnert in der internen Diskographie am ehesten an Werke wie „Sonic Nurse“ oder „Washing Machine“. So erweist sich ”The Eternal” vielleicht als der ideale Einstieg in den “Bandkosmos” für den kleinen Kreis von Lebewesen, die bisher tatsächlich an der Band vorbeigekommen sind. „Noise Nomads And Me, Levitating On The Ground.“ Danke dafür.

Wertung: 87

Label:Matador / Beggars / Indigo

Spieldauer: 56:25

Referenzen:Velvet Underground, Yo La Tengo, No Age, My Bloody Valentine, Pavement

Links: Website, Myspace, dirtysy-FanForum und Blog

VÖ: 05.06.09


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4 Kommentare zu “Review: Sonic Youth – The Eternal”

  1. Björn sagt:

    Übrigens übernehmen Sonic Youth am 8. Juni Pitchfork.tv für eine Woche.

  2. Pascal sagt:

    Hui, tolle, sicherlich spannende Sache! Da werde ich wohl das ein oder andere Mal reinschauen müssen. Mal sehen, was die so auf die Beine stellen…

  3. dominik sagt:

    “So erweist sich ”The Eternal” vielleicht als der ideale Einstieg in den “Bandkosmos” für den kleinen Kreis von Lebewesen, die bisher tatsächlich an der Band vorbeigekommen sind.”

    Der Satz könnte auf mich zutreffen, da ich bislang nur “Rather Ripped” kannte. Das neue Gefällt mir aber bislang richtig gut! Vorallem das erwähnte “What We Know” zählt auch zu meinen Lieblingssongs auf “The Eternal”. Achja die Pitchfork A.D.D Videos sind übrigens große Klasse. Anschauen!

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